Die Häuptlingstochter und letzte Regentin von Jever, Fräulein Maria (1500 – 1575), baute das Jeverland durch eine geschickte Politik zu einem frühmodernen Territorialstaat aus. Geprägt durch ständige Auseinandersetzungen mit ihren ostfriesischen Nachbarn, entwickelte sich das kleine Land ganz eigenständig.

 

 

 
Siegel des Upstalsboombundes, 1338 (SJV)

Häuptlinge in Friesland

Die Friesen kannten im hohen Mittelalter keine adelige Herrschaft oder Leibeigenschaft, sie waren frei. Ihr Gemeinwesen war genossenschaftlich organisiert und zu autonomen Landesteilen zusammengeschlossen. Recht und Freiheit wurden durch gewählte Vertreter sichergestellt. Über Generationen hinweg hatten einige Familien eine Vormachtstellung erlangt. Die mächtigsten Vertreter dieser einflussreichen Familien übernahmen nach und nach wichtige Gemeinschaftsaufgaben wie Rechtsprechung, Schutz- und Friedenswahrung. Sie nannten sich selbst Häuptlinge.

 
Huldigungsbecher, um 1542 (SJV)

Maria von Jever

Maria wurde im Jahre 1500 geboren. Ihr Vater war Häuptling Edo Wiemken der Jüngere (1450 – 1511). Durch den frühen Tod ihrer Geschwister Christoph, Dorothea und Anna wurde Maria die alleinige Anwärterin der Herrschaft Jever. In ihrer Regierungszeit (1530 – 1575) wurde Jever zu einer Residenz ausgebaut. Um den Herrschaftsanspruch sicher zustellen, ergriff sie einige grundlegende Maßnahmen. So erhielt Jever im Jahre 1536 Stadtrechte. Das Schloss wurde zu einer Vierflügelanlage ausgebaut.

Neben der systematischen Befestigung von Stadt und Schloss legte sie viel Wert auf die repräsentative Ausgestaltung des Schlosses. Die Kassettendecke im Audienzsaal zeugt davon noch heute. Im wirtschaftlichen Bereich forcierte Maria die Eindeichung zur Vermehrung der herrschaftlichen Einkünfte. Maria starb kinderlos im Jahre 1575. Die Herrschaft ging an die Oldenburger Grafen über.

 
Graf Edzard von Ostfriesland (1466 – 1528) (SJV)

Das Eheversprechen

Die Häuptlingszeit des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit war geprägt durch ständige Fehden der einzelnen Häuptlingshäuser. So versuchte das ostfriesische Häuptlingsgeschlecht der Cirksena immer wieder, die Herrlichkeit Jever an Ostfriesland zu binden. Nach dem Tod von Marias Bruder Christoph besetzte Graf Edzard von Ostfriesland Jever. Dabei stellte er eine Hochzeit seines Sohnes Enno mit Maria in Aussicht. Diese Hochzeit kam aber nie zustande, da sich die Cirksena nicht an das Eheversprechen gebunden fühlten.

Stattdessen waren Maria und ihre beiden Schwestern quasi Gefangene im eigenen Schloss. Der von ostfriesischer Seite eingesetzte Drost Boing von Oldersum stellte sich jedoch auf Marias Seite. 1531 vertrieb er die ostfriesische Besatzung aus Jever. Seit dieser Zeit betrieb Maria eine betont anti-ostfriesische Politik. Eine Ehe ist Maria Zeit ihres Lebens nicht eingegangen.

 
Detail der Kassettendecke im Schloss Jever 1560 – 1564 (SJV)

Die Legende

Fräulein Maria hatte testamentarisch verfügt, dass nach ihrem Tode die Herrlichkeit Jever an die Oldenburger Grafen gehen sollte. Nach ihrem Tod fürchteten die Jeveraner eine erneute Machtergreifung der Ostfriesen. Daher wurde ihr Tod geheim gehalten bis die Verhandlungen mit dem Graf Johann VII von Oldenburg abgeschlossen waren.

In der Bevölkerung setzte sich im Laufe der Zeit der Glaube durch, dass Maria nicht verstorben, sondern durch einen unterirdischen Gang verschwunden sei. Das allabendliche Marienläuten um 22.00 Uhr und im Winter um 21.00 Uhr sollte ihr dabei den Weg zurück nach Jever weisen. Das Läuten der Glocken steht natürlich in keinem Zusammenhang mit der Legende, geht aber auch auf Maria zurück. Mit dem Läuten wird seit Marias Zeit die Polizeistunde angezeigt.

Stephan Horschitz

Schlossmuseum Jever
Kulturhistorisches Museum in Friesland
Schlossplatz
26435 Jever

Öffnungszeiten:
Di - So: 10 - 18 Uhr
Ostern, Pfingsten und in den Sommermonaten Juli/August
auch montags geöffnet