Bereits zur Zeit Karls des Großen wird Wangerland, bzw. „Wanga“ erwähnt, als Willehad zum Bischof ernannt wird. Die ersten Kirchen der Region waren wahrscheinlich Holzkirchen, Reste sind bei Ausgrabungen der Kirche in Stedesdorf gefunden worden. Holz war in dieser Region Mangelware, so dass es sich wahrscheinlich um kleine Kirchenbauten gehandelt hat. Kirchen, die aus Stein errichtet wurden, sind erst frühestens aus dem 11. Jahrhundert nachweisbar. Die Kirchen wurden auf Wurten errichtet, um sie einerseits vor Sturmfluten zu sichern, und anderseits waren die Kirchtürme wichtige Seezeichen, die die Orientierung auf See erleichterten.

 
Schnitzaltar in der Kirche von Tettens. In: Robert Noah 1991, S. 94

Charakteristisch für das Jeverland und Harlingerland sind Kirchen aus Granitquadern. Man nimmt an, dass diese Bauweise in der Region entstanden ist, weil sich darüber hinaus keinen Nachweis für ähnliche Bauten finden lässt. Granitquadersteine waren, bedingt durch die Eiszeit, vor Ort vorhanden, problematisch war aber die Bearbeitung der Steine. Die Steine mussten gespalten und dann zu einer rechteckigen Form behauen werden. „Gleichwohl wird das Spalten und Zurichten der in Butforde vermauerten rd. 2000 Werksteine, setzt man nach vorsichtiger Schätzung für den 12- bis 16-Stundentag... einen Werkstein an, bei 5 angenommenen Steinmetzen … 400 Tage, d.h. mindestens zwei Jahre beansprucht haben.“1. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte man den Tuffstein als Baustoff. Sie wurden fertig geschnitten rheinabwärts aus Rheinland-Pfalz in die Region transportiert. War die Beschafftung umständlicher, war die Verarbeitung sehr viel einfacher: so konnte man mit dem weicheren Tuffstein viel einfacher Rundbögen und Sichelbögen für Portal und Fenster herstellen und die Bauzeit verringerte sich allgemein. Allerdings war der Baustoff viel poröser und wurde stärker als Granitquader durch Witterungsbedingungen in Mitleidenschaft gezogen.  

 
Kirche Hohenkirchen. Foto: AxelHH https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hohenkirchen_Kirche.jpg?uselang=de

St. Sixtus und Sinniciuskirche in Hohenkirchen

„Ecclesia matricularis de wenga“ - Mutterkirche des Wangerland heißt es in einer Urkunde aus dem Jahr 1143. Nach der Rasteder Chronik soll Erzbischof Ansgar bereits im 9. Jahrhundert eine Kirche errichten lassen, wahrscheinlich als schlichte Holzkirche. Der heutige spätromanische Granitquaderbau stammt wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Gebaut wurde er als langgestreckter Saalbau mit einer halbrunden Ostapsis. Die Rundbögen der Fenster sind aus Wesersandstein gefertigt. In den Längswänden befinden sich Rundbogenportal, deren Holztüren mit 1714 und 1768 datiert sind. Nördlich der Apsis befindet sich der, aus dem 13. Jahrhundert, stammende Glockenturm. Die Innenausstattung stammt u.a. von Ludwig Münstermann, der 1620 das aufwendige Altarretabel fertigte, wie die mit Reliefs und Ornamenten versehene Kanzel. Das Taufbecken ist aus Baumberger Sandstein hergestellt, auf drei Löwen ruhendes Taufbecken, auf dessen Wandung u.a. die Taufe Christi dargestellt ist, abgeschlossen wird das Motiv durch ein Rankenfries. Die Orgel aus dem Jahr 1694 stammt von J. Kayser aus Jever, sie wurde im 18. Jahrhundert erweitert.

 
Kirche Stedesdorf Frisia Orientalis  https://commons.wikimedia.org/wiki/File:StAegidienStedesdorf.jpg

St.-Aegidien-Kirche Stedesdorf

Ein hölzener Vorgängerbau ist bei Ausgrabungen nachgewiesen. Der westliche Teil der heutigen Kirche wurde in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts aus Tuffstein erbaut, der östliche Teil und der Chor sind im 15. Jahrhundert ergänzt worden. Der Glockenturm stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Außergewöhnlicher Grundriß für eine Kirche der Region, da sie ursprünglich ein gedrungenes Kirchenschiff mit rechteckigem Chorraum und halbrunder Apsis besaß. Im Innenraum Kuppelgewölbe aus dem 17. Jahrhundert und Reste einer gotischen Gewölbedecke. Ein Flügelalter aus dem Jahr 1613 und zylindrischer spätromanischer Taufstein mit acht Arkaden mit Figuren im Relief und Abschluss mit Rankenfries und Vögel.

 
Kirche Asel. Foto: Frisia Orientalis. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:800px-ChurchAsel

Ev. Kirche in Asel

Ende des 12. Jahrhundert wurde die Saalkirche aus Granitquadern mit Rundbogenfenstern erbaut, ursprünglich mit halbrunder Apsis im Osten. Abgesetzter, 1661 aus Backstein errichteter Glockenturm. Im Innenraum ein Barockaltar aus dem frühen 17. Jahrhundert mit Dreiecksgiebel und durchbrochenen Abschluss und barockem Taufengel. Mit den vier Evangelisten und Martin Luther bemalte Kanzel aus dem Jahr 1608 von C. Rötgers und barockes Altarkreuz. Unterhalb der Orgel von 1855 Ausmalung mit abgebildeten Aposteln.

 
Kirche Buttforde. Foto: Gouwenaar  https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Interieur_Mariakerk_Buttforde.jpg?uselang=de

St.-Marienkirche Buttforde

Romanische, im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts erbaute Granitquaderkirche mit halbrunder Ostabsis, später Ausbesserungen mit Backstein. Aufwendige Ausgestaltung des Innenraums, z.B. der Schnitzaltar (1656) mit Baldachin, gemalten Evangelisten und Rankenwerk, darin enthalten seltener Flügelaltar aus dem Ende 15. Jahrhunderts. Kanzel aus dem Jahr 1655, Kanzelkorb mit gemaltem Stifterwappen und dargestelltem Martin Luther mit den Evangelisten und fünf Propheten. Bemerkenswerte dreigliedrige Lettner mit biblischen Szenen bemalte Holzempore, darüber Orgel (1681) von dem Hamburger Orgelbauer Joachim Riechborn. Aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammende Holzplastiken: Thronende Madonna, Pietà und Madonna mit Mondsichel.

 
Kirche Westerholt. Foto: Frisia Orientalis  https://commons.wikimedia.org/wiki/File:ChurchWesterholt.jpg?uselang=de

Ev.-Kirche Westerholt

Romanische Einraumkirche aus Backstein auf Granitquadersockel aus dem 13. Jahrhundert und wahrscheinlich Mitte des 17. Jahrhundert abgetragener Ostapsis, abgesetzter Glockenturm. Längsmauern mithilfe von Lisenen auf dem Mauerabsatz in drei Felder geteilt, darüber Rundbogenfenster mit abschließendem Konsolfries. Im Innenraum Taufstein aus Bentheimer Sandstein und mit Gemälden versehenes Altarretabel aus dem 17. Jahrhundert, dargestellt ist die Abendmahlsszene mit Kreuzigung und Auferstehung..

 
Kirche Tettens. Foto: Udo und Joan Fugel
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Martin_%28Tettens%29#/media/File:Kirche_in_Tettens_%28Church_in_Tettens%29_-_geo.hlipp.de_-_3735.jpg

Ev. Kirche St. Martin in Tettens

Die spätromanische Granitquaderkirche mit Ostapsis stammt aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts, der Glockenturm aus Backstein mit einem achteckigen Schieferdach aus dem 15. Jahrhundert. Die Balkendecke im Inneren ist detailgetreu mit weißen Akanthusranken auf rotem Grund mittig Medaillon mit Emblem von Christian Krüger 1717. Im Zentrum des Der Flügelaltars aus dem Jahr 1520 ist eine Kreuzigungszene abgebidlet, seitlich zwei Bischöfe mit Lebensstationen. Das freistehende, turmartige Sakramentshaus aus Baumberger Sandstein wurde von dem Häuptling Ommo Oyken 1525 gestiftet. Die Kanzel stammt aus dem 16. Jahrhundert, das Kirchengestühl mit Traljengitter aus dem 17. Jahrhundert und der Orgelprospekt von Eilert Köhler aus Oldenburg von 1740.

 
Kirche Wiarden. Foto: Jungkind   https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wiarden_church.JPG?uselang=de

Ev. Kirche St. Cosmas und Damian Wiarden 

Die Vorgängerkirche soll 935 von Bischof Adaldag von Bremen geweiht worden sein. Die heutige einschiffige Granitquaderkirche wurde wahrscheinlich Ende des 12. Jahrhunderts errichtet. Die ursprüngliche Ostapsis wurde im 15. Jahrhundert durch einen größeren rechteckigen Chor ersetzt. Die Wandmalerei im Chor stellen übergroße Heilige mit Baldachin dar. Die Kanzel mit Galerie wurde von dem Münstermann Schüler Onno Dirks 1643 gefertigt. Zur Innenausstattung gehört auch das dreigeschossige Altarretabel, datiert 1749, das erste Segment mit vier ionischen Säulen, mittig ein Abendmahlsgemälde des Jever Malers Schwitters, darüber weibliche Figuren mit Knorpelwerk, im obersten Segment ein Relief der Auferstehung Christi. Orgel mit Orgelprospekt aus dem Jahr 1807/08 von Johann Gerhard Schmidt aus Leer.

Christina Hemken

Abbildungen

(1) Ommo Dirks: Moses, 1634. In: Robert Noah 1991, S. 13 
(2) Orgel in der Kirche Asel. Foto: Panoramio Dennis Wubs https://commons.wikimedia.org/wiki/File:7804393_Asel_Orgel.jpg?uselang=de

Anmerkungen

(1) Zitiert, in: Noah 1969, S. 93

Literatur

Robert Noah: Die mittelalterlichen Kirchen im Wangerland. Aurich 1969  

Robert Noah: Gotteshäuser in Ostfriesland. Norden 1989

Robert Noah: Gottes Häuser in Friesland und Wilhelmshaven. Norden 1991

Monika van Lengen: Inseln der Ruhe. Kirchen in Ostfriesland. Leer 1996

Gottfried Kiesow: Hans-Christian Hoffmann; Roswitha Poppe; Hans Reuther; Walter Wulf: Bremen Niedersachsen. Reihe Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Berlin 1992< /p>

Ingrid Nöldeke: Der Stoff aus dem die Kirchen sind. Schortens 2009

Hans-Bernd Rödiger und Dr. Waldemar Reinhardt: Friesische Kirchen. Rüstringen, Friesische Wehde, Butjadingen, Stedingen und Stadt Wilhelmshaven. Jever 1982

Hans-Bernd Rödigerer und Klaus Wilkens: Friesische Kirchen im Jeverland und Harlingerland. Jever 1981