Unbekannte Klosterlandschaft

Wer kennt schon das Hagioskop in Oesede, das Bersenbrücker Krippchen oder das Antependium in der Klosterkirche der Iburg? Wer saß in der Börsteler Unterkirche, und warum hat der Osnabrücker Dom einen Kreuzgang? Alle diese Fragen laufen auf die Feststellung hinaus, dass das Osnabrücker Land neben reizvoller Landschaft und wechselvoller Geschichte auch reich ist an weit zurückreichender Klosterkultur.

 
Hl. Jacobus, um 1510. Norddeutsch, Umkreis des Meisters aus Osnabrück (LMO)

Geschichte der Klöster in der Region

Geschichte der Klöster in der Region Ordensniederlassungen besaßen weit über das Mittelalter hinaus wichtige kulturtragende Funktionen. Im Osnabrücker Land speziell spiegeln sie darüber hinaus die konfessionellen Auseinandersetzungen und insbesondere den religionspolitischen Zuschnitt des Hochstifts nach dem Ende des 30jährigen Krieges. Simultanlösungen und kuriose Verteilungen z.B. katholischer und evangelischer Stiftsdamen wie in Börstel waren die Folge. Zwar kam es 1628 unter Fürstbischof Franz Wilhelm von Wartenberg (1625-1661), einem entschiedenen Verfechter der Gegenreformation, zu einer kurzzeitigen Erneuerung des Klosterwesens in Osnabrück. Schon 1625 war in Osnabrück zur Durchführung der Gegenreformation ein Jesuitenkolleg entstanden, das Bischof Franz Wilhelm 1632 zu einer Universität ausbaute. Doch bereits mit der schwedischen Einnahme Osnabrücks 1633 wurden diese Hochschule und weitere Klostergründungen wieder aufgehoben. Dass im Fürstbistum Osnabrück nach dem Westfälischen Frieden 1648 bis zur Säkularisation kein neues Kloster mehr gegründet wurde, ist aus dem steten Wechsel evangelischer und katholischer Fürstbischöfe sowie der konfessionell gemischten Bevölkerung erklärbar. Die Klöster und Stifte des Osnabrücker Landes fanden – bis auf das bis heute bestehende Börstel und das schon vorzeitig aufgelöste Kloster Bersenbrück – mit der Säkularisation 1803 ihr Ende.

 
Anbetung der Könige, Anfang 16. Jh. Umkreis des Meisters von Osnabrück (LMO

Klöster – Gegenbild zum Leben

Klöster entstanden stets aus dem Grundgedanken, ein Gegenbild zum Leben in der Welt zu schaffen, Raum für einen konzentrierten Rückzug, für die Hinwendung zu etwas Höherem zu geben. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Außerhalb von Klostermauern haben Meditation und Entspannungsübungen anhaltend Konjunktur – auch sie wurden ursprünglich in Klöstern entwickelt. Auch in längst aufgelösten Klöstern, Stiften, Kloster- und Stiftskirchen des Osnabrücker Landes kann man von diesem Geist noch etwas spüren – sei es durch die Architektur und die räumliche Atmosphäre der Klosterkirche auf dem Gertrudenberg oder im Kloster Oesede, durch die noch vorhandenen Kunstwerke im Dom St. Johann oder durch ihre landschaftlich schöne Lage des Stift Börstel und des Klosters Malgarten.

 
Schaufassade des ehemaligen Kloster Iburg (LOSL)

Klöster im Osnabrücker Land

Einen detaillierten Überblick zu der Osnabrücker Kloster-Landschaft findet der interessierte Besucher in einem 2005 herausgegebenen Kunstführer, in dem neben ehemaligen Stiften und Klöstern auch das noch relativ junge Kloster Ohrbeck sowie der imposante spätromanische Dom von Osnabrück mit seiner reichen Ausstattung vorgestellt wird. Die frühgotische Stiftskirche St. Johann in Osnabrück und die alte Klosterburg Iburg, die über Jahrhunderte als Bischofsresidenz diente, finden genauso Erwähnung wie die qualitätvollen Arbeiten von Rokokostuckateuren im Kloster Malgarten und der Kloster Iburg wie auch die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen an einzelnen Klöstern und Stiften.

Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V.
Schloss Iburg/Hofapotheke
49186 Bad Iburg
Tel.: 05403/72455-0
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Literatur: Gerd-Ulrich Piesch: Klöster und Stifte im Osnabrücker Land (Kulturregion Osnabrück, Band 23) Regensburg: Schnell und Steiner, 2005.