Die mittelalterliche Klosterzeit

Stift Börstel wurde als Zisterzienserinnenkonvent von den Oldenburger Grafen Otto I. und Johann I. 1246 in Menslage gegründet. 1250 verlegten die Stifter den Konvent in den Börsteler Sunder und statteten es mit freien Gütern und Wäldern in der Bauernschaft Berge aus. Dort bauten die Zisterzienserinnen das Kloster St. Marienberg auf. An die Stiftung knüpften sie die Verpflichtung der Nonnen zu einem Jahresgedächtnis für das Haus Oldenburg. Das dem Orden nicht inkorporierte Kloster unterstand der Diözesangewalt des Bischofs von Osnabrück. Eine Schutzbulle für die Klosterneugründung ließ 1247 Papst Innozenz IV. ausstellen, fünf weitere päpstliche Schutzversprechen folgten. Schenkungen und der Ankauf von Gütern und Zehntrechten stellten das Kloster wirtschaftlich auf eine solide Grundlage. Nach dem Rückzug der Stifterfamilie übernahmen Mitte des 14. Jahrhunderts die bischöflichen Landesherren des Hochstifts Osnabrück die Schutzherrschaft.

 
Kreuzgang des Stifts Börstel (Stiftboerstel)

Der Übergang zu lutherischen Gottesdiensten

Um den Jahrhundertwechsel vom 15. auf das 16. Jahrhundert kann nach Urkundenlage der sanfte Wechsel von katholischen Gottesdienstformen hin zur lutherischen Liturgie festgestellt werden. Auf die Reformierung des Gottesdienstes lassen auch die Formulierungen in der Wahlanzeige der Äbtissin Beata Schade (1532-1556) schließen; als Zeugen der Wahl traten lutherische Pastoren auf: Bartholomäus Niggemann aus Berge und Ludolf Erffmann aus Quakenbrück. Verschiedene Zeugnisse geistlichen Lebens sprechen bis in das nachreformatorische Jahrhundert hinein für eine konfessionelle Mischform in Börstel aus evangelischer Predigt und römisch-katholischem Ritus. Wie in vorreformatorischer Zeit kamen die Chorsängerinnen zu den Stundengebeten auf der Nonnenempore zusammen, die allerdings nicht mehr siebenmal, sondern nur noch dreimal am Tag gehalten wurden. Predigtgottesdienste fanden am Mittwoch, Freitag und Sonntag statt.

 
Die Stiftskirche (Stiftboerstel)

Während des spanisch-niederländischen und des Dreißigjährigen Krieges wurde das Kloster durch Plünderungen, Einquartierungen und hohe Kontributionsverpflichtungen schwer belastet. Nach der Besetzung des Hochstifts 1633 durch schwedische Truppen verschärfte sich die Lage für die wenigen verbliebenen Zisterzienserinnen, die 1637 und 1638 insgesamt fünfmal auf das bei Fürstenau gelegene Wasserschloss Lonne und in das reformierte Lingen flüchten mussten.

 

 
Abtei des Stifts Börstel (Stiftboerstel)

Der Wechsel zum "Freiweltlichen Hochadeligen Stift"

Die nach dem Friedensschluss auf dem Reichstag zu Nürnberg 1650 abgeschlossene Kirchenteilung im Osnabrücker Land (Capitulatio perpetua Osnabrugensis) rechnete Börstel als einziges Kloster im Hochstift zur Augsburgischen Konfession. Die Gültigkeit der Normaljahresregelung des Osnabrücker Friedensvertrags von 1648 hatte darüber hinaus für Börstel die Konsequenz, dass entsprechend der 1624 vorgefundenen konfessionellen Konstellation zwei katholische Präbenden eingerichtet wurden. Diese Regelung gilt bis heute: Gottesdienst in Börstel wird lutherisch gehalten, die Äbtissin und sieben weitere Kapitularinnen sind evangelischer Konfession, zwei Kapitularinnen sind katholisch.

 
Die Madonna (Stiftboerstel)

Mit den Stiftsstatuten von 1674 gab sich das Kapitel den Status eines freiweltlichen hochadeligen Stiftes. Mit der Aufhebung der Klausur infolge der lutherischen Reformation konnten die Stiftsdamen stärkeren Kontakt zu ihren Herkunftsfamilien pflegen; das Stift öffnete sich für Besucher und das strenge Gemeinschaftsleben löste sich zugunsten einer separaten Haushaltsführung auf. Seit dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts entstanden private Häuser auf dem Stiftsgelände, daneben wurden einzelne Räume des Kapitelhauses zu Wohnzwecken abgetrennt. Weil es insgesamt an Wohnraum mangelte, bestand für die Stiftsdamen außer an den vier hohen kirchlichen Festtagen keine Präsenzpflicht.

 
Die Stiftskirche (Stiftboerstel

Die Kirche St. Marien zu Börstel

Nach zisterziensischer Bauplanung gliedert sich die Klosterkirche in eine Unterkirche, einen Hochchor und eine über der Unterkirche gelegene Westempore. Während sich in der Unterkirche die Laiengemeinde versammelte, diente die Empore den Nonnen als Oratorium. Von beiden Räumen aus war die separate Teilnahme an der vor dem Hochaltar zelebrierten Messfeier gegeben. Mit der Einführung des lutherischen Gottesdienstes und der Aufhebung des monastischen Lebens bestand keine Notwendigkeit mehr, die Gottesdienstteilnehmer voneinander zu trennen. Die lutherische Gemeinde versammelte sich seit 1680 auf einem neu eingezogenen Vorchor und damit in unmittelbarer Nähe zum gottesdienstlichen Geschehen. Die einstige Nonnenempore wurde nach der Reformation als Kapitelsaal genutzt, in dem bis heute unter anderem die Wahl der Äbtissin stattfindet.

 
Tagungsgebäude Stift Börstel (Stiftboerstel)

Stift Börstel heute und in Zukunft

Seit 1949 ist das Stift eine selbstständige Stiftung des öffentlichen Rechts. Bis heute leben und arbeiten Kapitularinnen in den historischen Gebäuden und feiern die Gottesdienste und Andachten in durch die Jahrhunderte gehenden Kontinuität . So werden Einkehrprogramme angeboten und es stehen Gästehäuser und eine Tagungsstätte für Gästegruppen zur Verfügung. Neben den geistlichen Angeboten ist das Stift für seine Kulturarbeit, die Börsteler Sommerkonzerte, die winterlichen Vortragsreihen und Kunstausstellungen bekannt. Unter Anknüpfung an zisterziensische Spiritualität bietet das Kapitel meditative Waldwanderungen auf den Spuren der Zisterzienserinnen und die Vertiefung in die Symbolik der in Börstel sinnfällig erfahrbaren Naturgegebenheiten wie Wasserquellen und Wegekreuzungen an. Zur wöchentlichen Mittwochs- und Freitagsandachten im Oratorium sind auch Gäste herzlich eingeladen. Einen besonderen Schwerpunkt hat die inhaltliche Arbeit des Stiftskapitels in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. So sind die Gästehäuser große Selbstversorgerhäuser, die Gruppen bis zu 40 Schülern Platz bieten. Daneben bietet das Stift in der Tagungsstätte Stift Börstel auch Übernachtungsmöglichkeiten im Hotelstandard.

 
Stift Börstel (Stiftboerstel)

Das Stiftskapitel ist weltlicher und geistlicher Entscheidungsträger für die Belange des Stiftes. So hat das Stiftskapitel am Kapiteltag den Wirtschaftsbericht der Äbtissin entgegen zu nehmen, den Haushalt zu beschließen und die wirtschaftliche Existenz des Stiftes zu verantworten. Die Äbtissin ist geistliche Leitung des Kapitels und Geschäftsführerin des Stiftsbetriebes. Das Stift ist bis heute wirtschaftlich eigenständig und muß seinen Haushalt mit dem historischen Stiftungsbesitz selbstständig erwirtschaften.

Äbtissin Britta Rook und Priorin Dr. Renate Oldermann

Stift Börstel
Börstel 1
49626 Berge
Tel. 05435 9542-0
Fax 05435 9542-19
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