Bei dem Calvinismus handelt es sich um eine evangelisch-reformierte Glaubenslehre. Ins Leben gerufen wurde diese von dem damals in Genf lebenden, französischen Reformator Johannes Calvin. Schon früh fing man an diese Glaubensbewegung, abgleitet vom Namen des Gründers, als „Calvinismus“ zu bezeichnen, was nicht unbedingt auf Zustimmung seinerseits stieß. Besonders deutlich wird dies an einer Aussage Calvins aus dem Jahre 1563:
„Sie finden uns anzuhängen keine größere Schmähung, als dies Wort ‚Calvinismus‘. Doch ist’s nicht schwer zu vermuten, woher solch tödlicher Hass kommt, wie sie ihn gegen mich haben.“ (Calvin 1563)

Für Calvin selbst und zahlreiche seiner Anhänger war nur die Bezeichnung „reformierte Kirche“ akzeptabel, weshalb Calvins Anhänger sich selbst auch als „Reformierte“ bezeichneten. Trotzdem setzte sich der Begriff „Calvinismus“ mit der Zeit immer weiter durch und wurde somit zum Terminus der reformierten Theologie der Lehre von Johannes Calvin.

 
College of Montaigu building (4)

Das Leben Calvins

Geboren wurde Calvin unter dem Namen Jean Cauvin im Jahre 1509 in Noyon, einem Ort etwa 100 Kilometer entfernt von Paris. Sein Vater, Gerard Cauvin, war zur damaligen Zeit als Verwaltungsbeamter des Bischofs von Noyon tätig. Seine Mutter Jeanne Le Franc, die bekannt war für ihre starke Frömmigkeit, war Tochter eines ehemaligen Gastwirts von Noyon, verstarb allerdings, als Calvin gerade fünf Jahre geworden ist. Bereits 1523 fing Calvin sein Studium an dem Collège de Montaigu an, wo vor ihm bereits Erasmus von Rotterdam studiert hatte. Während dieser Zeit wurde er sehr stark von seinem damaligen Griechisch-Lehrer Melchior Volmar geprägt, der der Reformation Luthers sehr stark zugeneigt war. Natürlich hinterließ diese Tatsache auch seine Spuren bei Calvin. Ab 1528 setzte er allerdings sein Jurastudium vorerst in Orleans fort.

 
Jean Calvin, Institutio christianae religionis (5)

Schon früh zweifelt Calvin an der Richtigkeit und Funktionalität seines Glaubens, doch die komplette Zuwendung zur evangelischen Religion wurde erst durch das Schicksal seines Vaters eingeleitet. Dieser wurde nämlich wegen Erbschaftsangelegenheiten mit einem Kirchenbann belegt und durfte dementsprechend nicht mehr auf dem kirchlichen Friedhof beerdigt werden. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1531, beginnt Calvin mit seinem Theologiestudium in Paris, muss allerdings bereits zwei Jahre später aus Frankreich fliehen. Der Grund dafür war die reformatorische Rektoratsrede, die er zusammen mit seinem Freund Nikolaus Cop im Jahre 1533 verfasste und die bei Zuhören der Église des Mathurins eine starke Unruhe und Empörung auslöste. Kurze Zeit später kehrt Calvin allerdings bereits nach Paris zurück, flieht im Jahre 1534 allerdings erneut, diesmal nach Basel. Zwei Jahre später wird die 1. Auflage seines Hauptwerkes „Institutio Christianae Religionis“ veröffentlicht, welche später die Grundlage des Calvinismus bildet.

 
Johannes Calvin (6)

Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1531, beginnt Calvin mit seinem Theologiestudium in Paris, muss allerdings bereits zwei Jahre später aus Frankreich fliehen. Der Grund dafür war die reformatorische Rektoratsrede, die er zusammen mit seinem Freund Nikolaus Cop im Jahre 1533 verfasste und die bei Zuhören der Église des Mathurins eine starke Unruhe und Empörung auslöste. Kurze Zeit später kehrt Calvin allerdings bereits nach Paris zurück, flieht im Jahre 1534 allerdings erneut, diesmal nach Basel. Zwei Jahre später wird die 1. Auflage seines Hauptwerkes „Institutio Christianae Religionis“ veröffentlicht, welche später die Grundlage des Calvinismus bildet. Im selben Jahr reist er auf Wunsch des Genfer Reformator Guillaume Farel nach Genf, um dort Vorlesungen zu halten und diesen bei der Genfer Reformation zu unterstützen. Eigens dafür verfasst Calvin einige Schriften, auf die alle Genfer Bürger einen Schwur ablegen sollten, um somit deutlich zu machen, dass sie ihren alten Glauben abgelegt haben. Dies stieß allerdings auf starken Widerstand. Kurz darauf reist Calvin nach Straßburg, wo er schließlich Pfarrer einer französischen Flüchtlingsgemeide wird. Hier hält er zahlreiche biblische Vorlesungen, kehrt allerdings drei Jahre später auf Bitten des Genfer Rates zurück nach Genf.

 Institutio Christianae Religionis:(7)

Im selben Jahr reist er auf Wunsch des Genfer Reformator Guillaume Farel nach Genf, um dort Vorlesungen zu halten und diesen bei der Genfer Reformation zu unterstützen. Eigens dafür verfasst Calvin einige Schriften, auf die alle Genfer Bürger einen Schwur ablegen sollten, um somit deutlich zu machen, dass sie ihren alten Glauben abgelegt haben. Dies stieß allerdings auf starken Widerstand. Kurz darauf reist Calvin nach Straßburg, wo er schließlich Pfarrer einer französischen Flüchtlingsgemeinde wird. Hier hält er zahlreiche biblische Vorlesungen, kehrt allerdings drei Jahre später auf Bitten des Genfer Rates zurück nach Genf. Seine letzten 20 Jahre verbringt Calvin endgültig in Genf. Hier schafft er es dann auch schließlich seine entworfene Kirchenordnung und die Unabhängigkeit der Kirche gegenüber dem weltlichen Staatswesen durchzusetzen. Trotzdem sind die letzten Jahre seines Lebens geprägt von zahlreichen Reformen, Revolutionen und Widerständen. Am 27. Mai 1564 erliegt Johannes Calvin  seinen Erkrankungen und verstirbt in Genf.

 
Martin Luther (8)

Kontrast zur Lehre Luthers

Zusammen mit Martin Luther ist Calvin einer der Reformatoren seiner Zeit. Er zählt somit zu denen, die mit ihren Ideen und Auffassungen die Entwicklung der evangelischen Kirche vorantrieben und sie stark prägten. Zwischen Calvin und Luther gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten. Daher kann man sagen, dass sich auf beide Theorien die vier zentralen Grundsätze des Protestantismus beziehen lassen: 1. sola fide (dt. allen durch den Glauben) 2. sola gratia (dt. alein durch die Gnade) 3. sola scriputra (dt. allein durch die Schrift) 4. solus christus (dt. allein Jesus Christus)

 
Johannes Calvin (9)

Trotz der vielen Gemeinsamkeiten gibt es einige zentrale Unterschieden zwischen den Glaubensbewegungen Calvins und Luthers. Dies ist der Grund, weshalb es heute nicht nur eine protestantische Kirche gibt, sondern zwischen lutherischer und reformierter Kirche unterschieden wird. Typisch für die Unterscheidung sind drei wesentliche Merkmale, die zwar einen ähnlichen Ansatz vorweisen, sich im Detail allerdings grundlegend unterscheiden: 1. Interpretation des Abendmahls 2. Verhältnis zwischen Kirche und Staat 3. Kirchenzucht Unter den Punkt Kirchenzucht fällt ein weiterer Aspekt, der immer wieder mit dem Genfer Reformator in Verbindung gebracht wird. Hierbei handelt es sich um die Prädestination, genauer gesagt um die doppelte Prädestination.

 
Herrad von Landsberg: Hortus Deliciarum (Garten der Lust, d. i. die Hölle) (10)

Das Wort Prädestination kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Vorherbestimmung“. Die Vorherbestimmung bezieht sich hierbei auf das Schicksal jedes einzelnen Menschen auf dieser Welt, das von Gott vorherbestimmt ist. Zwar kann ein Mensch weiterhin nach seinem freien Willen handeln, trotzdem wurde ihm sein endgültiges Schicksal bereits bei der Geburt in die Wiege gelegt. Man unterscheidet zwischen einfacher und doppelter Prädestination. Während die einfache Vorherbestimmung besagt, dass Gott bereits im Voraus die Menschen auserwählt hat, die zu ihm in den Himmel kommen, bezieht sich die doppelte Vorherbestimmung auf Himmel und Hölle. Dies bedeutet, dass jeder Mensch schon bei seiner Geburt für den Himmel oder die Hölle auserwählt wurde. Nichts kann dieses Schicksal ändern, auch keine besondere Frömmigkeit oder ausgeprägtes Buße-tun. In seinem theologischen Hauptwerk Institutio Christianae Religionis äußerte sich Calvin explizit zum Thema Vorherbestimmung:

Unter Vorherbestimmung verstehen wir Gottes ewige Anordnung, vermöge deren er bei sich beschloss, was nach seinem Willen aus jedem einzelnen Menschen werden sollte! Denn die Menschen werden nicht alle mit der gleichen Bestimmung erschaffen, sondern den einen wird das ewige Leben, den anderen die ewige Verdammnis vorher zugeordnet. (Institutio Christianae Religionis)

 
Jacob Cornelisz van Amsterdam: Graaf Edzard I (11)

Weltweite Verbreitung...

Zwar spielte sich die Verbreitung der Glaubenslehre Calvins hauptsächlich in den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz ab, trotzdem schaffte diese Glaubensbewegung es, sich mehr oder weniger auf der ganzen Welt zu verbreiten. Auch Deutschland fiel unter den Einflussbereich dieser reformierten Theologie. Besonders die zu den Niederlanden angrenzenden Städte und Dörfer waren davon betroffen. Um 1520 fand die Reformation ihren Weg auch nach Ostfriesland. Zwar unterstützte der damalige Graf von Ostfriesland, Edzard I., die neue Lehre und besonders ihre Verbreitung auf seinem Land, trotzdem schaffte er es nicht, dass in seinem Gebiet nur eine Lehre durchgesetzt wird. Daher existierten lutherischer Protestantismus und Calvinismus lange Zeit parallel nebeneinander, bis sich schließlich aufgrund ihrer eher gleichmäßigen Verteilung eine Spaltung des Landes erkennen ließ. Diese Spaltung führte dazu, dass sich ein lutherischer Osten und ein calvinistischer Westen entwickelten. Die katholische Kirche hingegen wurde immer weiter verdrängt, sodass noch kaum katholische Christen das ostfriesische Land besiedelten.

 
Johannes à Lasco (12)

Eine Stadt fiel besonders in den Einflussbereich des Calvinismus. Hierbei handelt es sich um die heute größte Stadt Ostfrieslands – Emden. Eine Zeit lang sah es so aus, als könne Emden neben Gent ein weiteres reformatorisches Zentrum des Calvinismus bilden. Viele Prediger waren in dieser Stadt unterwegs. Einer dieser Prediger war Johannes a Lasco, der im Jahr 1510 seinen Weg nach Emden fand. Johannes a Lasco war ein polnischer Adeliger und Schüler Erasmus von Rotterdam. Außerdem wurde er theologisch sehr stark von Straßburg und Zürich geprägt, wo sich – wie bereits zu Beginn erwähnt – auch Calvin aufgehalten hatte. Im Jahr 1542 ernannte Gräfin Anna A Lasco zu dem Superintendenten für alle Evangelischen Ostfrieslands. Der Theologe machte es sich dann zur Aufgabe, eine gemeinsame Lehre in Ostfriesland durchzusetzen. Dies stieß allerdings ziemlich bald auf starken Widerstand aus den anliegenden Gemeinden. Der Grund dafür war, dass A Lasco ihrer Meinung nach „zu reformiert“ war. Schließlich wird dieser dann im Jahre 1549 durch Graf Johan abgesetzt und geht nach London.

 
John Calvin (13)

Doch auch wenn sich der Calvinismus nicht als einzig dominante Glaubensbewegung durchsetzen konnte, hinterließ er trotzdem seine Spuren. Die Johannes a Lasco Bibliothek zum Beispiel zeugt auch heute noch von den Auswirkungen und der Verbreitung des Calvinismus in Europa. Doch auch die reformierte Kirche in Aurich und die zahlreichen evangelisch-reformierten Gemeinden zeugen heute noch von der starken Auswirkung dieser Glaubensbewegung.

Margarita Sonnenberg