Arp Schnitger gehörte zu den bekanntesten Orgelbauern seiner Zeit und unterhielt die größte damalige Orgelbauerwerkstatt im norddeutschen Raum, 50 namentlich bekannte Orgelbauer arbeiteten in seinen Werkstätten in Hamburg, Magdeburg, Potsdam und Zwolle (NL). Er gilt als der Vollender der norddeutschen Barockorgel.

 
Schnitger Orgel, St. Ludgeri in Norden (ASG)

Eine Kindheit in der Wesermarsch

Arp Schnitger wurde wahrscheinlich am 2. Juli 1648 im Schmalenfleth (Brake/Unterweser) als Sohn einer angesehen Tischlerfamilie geboren, wobei der Familienname bereits auf das Handwerk hinweist: "Snitker" ist das niederdeutsche Wort für Schneider (Holzschneider). Er wuchs mit fünf Geschwistern auf und erlernte nach seiner Schulzeit das Tischlerhandwerk bei seinem Vater. Anschließend begann er eine fünfjährige Ausbildung zum Orgelbauer bei seinem Verwandten Berendt Huß in Glückstadt. Gesellenjahre im norddeutschen Raum folgten, wobei er nicht nur durch seine handwerklichen Fähigkeiten, sondern auch durch seine außerordentliche musikalische Begabung auffiel.

 
Originalskizze von Arp Schnitger im Archiv Golzwarden (ASG)

Vom Tischler zum berühmten Orgelbauer

Nach dem Tod seines Lehrherren führte er die Orgelwerkstatt als 29-jähriger mit großem Erfolg weiter. Sein ausgezeichneter Ruf verbreitete sich rasch, so dass nicht nur Anfragen aus der näheren Umgebung sondern auch Aufträge aus Bremen, Verden und Hamburg eintrafen. Mit dem Auftrag zum Bau der Orgel für die St. Nicolaikirche 1682 übersiedelte er mit seiner Werkstatt nach Hamburg und begründete seinen Ruhm mit dem Bau dieser größten jemals in Deutschland gefertigten Orgel. In fast fünfjähriger Arbeit schufen Arp Schnitger und seine Mitarbeiter diese Orgel mit 67 Registern, vier Manualen und Pedal und mehr als 4.000 Pfeifen. Das hohe handwerkliche und klangliche Niveau der St. Nicolaiorgel führte nicht nur Orgelbaumeister und Komponisten aus der Umgebung, sondern auch bekannte Komponisten wie Dietrich Buxtehude, Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach nach Hamburg. Leider wurde die Orgel 1842 durch Brand zerstört.

 
Schnitger-Orgel St. Pankratius-Kirche in Neuenfelde (ASG)

Europäischer Wirkungskreis

Aufträge aus ganz Nordwestdeutschland, aber auch aus England, Russland, Spanien und Portugal folgten. 1699 wurden ihm Orgelbauprivilegien für die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst, die Herzogtümer Bremen und Verden sowie 1702 für die Fürstentümer Schleswig und Holstein verliehen. 1708 wurde er zum preußischen Hoforgelbauer ernannt. Sein ausgezeichneter Ruf und die erhaltenen Orgelbauerprivilegien sicherten ihm eine Monopolstellung im norddeutschen Raum.

 
'Orgelbauerhof' in Neuenfelde, Aufnahme um 1890 (ASG1)

„Vom Leben und Sterben“

Arp Schnitger war mit der wohlhabenden Hamburger Kaufmannstochter Gertrud Otte verheiratet, die er wahrscheinlich beim Bau der Orgel in Neuenfelde kennen gelernt hatte, wo ihr Vater einen Hof besaß. Dort unterhielt er von 1705 bis zu seinem Tode 1719 eine weitere Orgelbauerwerkstatt, den so genannten "Orgelbauerhof".
Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. Die vier Söhne ergriffen den Beruf ihres Vaters, aber nur zwei von Ihnen überlebten ihn und führten sein Werk weiter. Franz Caspar Schnitger arbeitete in den Niederlanden, wo er u. a. in Alkmaar und Zwolle, heute noch erhaltene Orgel baute.
Nach dem Tod seiner ersten Frau 1707 heiratete Schnitger 1713 die Organistenwitwe Anna Elisabeth Koch, die er bei der Renovierung der Orgel in Abbehausen (Kreis Wesermarsch) kennen gelernt hatte.
Arp Schnitger verstarb im Juli 1719. Sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Das Begräbnis ist im Begräbnisbuch der Kirchengemeinde Hamburg-Neuenfelde unter dem 28. Juli 1719 eingetragen. 1971 wurde die Grabstätte im Fußboden der Kirche in Neuenfelde wieder entdeckt und mit einer Gedenkplatte versehen.

Das Werk Arp Schnitgers

Mit Hilfe seiner Mitarbeiter hat Arp Schnitger 170 Orgeln neu gebaut oder wesentlich umgebaut, ungefähr 30 davon sind erhalten geblieben. Sie bezeugen die außergewöhnliche hohe handwerkliche Qualität und die bis dahin unerreichte Klangfülle, die wegweisend für die nachfolgende Orgelbaukunst war. Seine Schüler führten seine Arbeit in Nord- und Mitteldeutschland, aber auch in den Niederlanden und Skandinavien fort.

Christina Hemken

Erhaltene Schnitger-Orgeln

r = restauriert, o = Originalzustand, + mit späteren Hinzufügungen, (r) = noch nicht restauriert

 

Heutiger
Zustand
Ort

Kirche

Jahr

(r) Blankenhagen (D; Mecklenburg) Dorfkirche 1686
r o Cappel D; bei Bremerhaven)
(urspr. Hamburg: St. Johannis Klosterkirche)
St. Peter und Paul 1680
r o + Dedesdorf (D; Unterweser) St. Laurentius 1698
r + Eenum (NL; Prov. Groningen) Hervormde Kerk 1704
r+ Faro (Portugal) Kathedrale  
+(r) Ganderkesee (D; Land Oldenburg) St. Cyprian und Cornelius 1699
r + Godlinze (NL; Prov. Groningen) Hervormde Kerk 1704
r o Grasberg (D; bei Bremen)
(urspr. Hamburg: Kirche des Waisenauses am Schaartor)
Ev. Luth. Kirche 1694
+ (r) Groningen (NL) Der Aa Kerk 1692
r o + Groningen (NL) Martinikerk 1692
r+ Groningen (NL) Pelstergasthuiskerk 1693
r o Hamburg (D) St. Jacobi 1693
(r) Hamburg-Neuenfelde (D) St. Pankratius 1688
+ (r) Hamburg-Ochsenwerder (D) Ev. Luth. Kirche 1708
+ (r) Harkstede (NL; Prov. Groningen) Hervormde Kerk 1696
+ (r) Hollern (D; Altes Land) St. Mauritius 1690
r o Lüdingworth (D; Unterelbe) St. Jacobi 1683
(r) Maia b. Porto (Portugal) S. Salvador de Moreira 1701
r o Mariana (Brasilien) (urspr. Lissabon (Portugal) Kathedrale 1701
(r) Mesingeweer (NL; Prov. Groningen) Hervormde Kerk 1699
r + Mittelnkirchen (D; Altes Land) St. Bartholomäus 1688
r + Nieuw Scheemda (NL; Pr. Groningen) Hervormde Kerk 1699
o + Noordbroek (NL; Prov. Groningen) Hervormde Kerk 1696
r o Norden (D; Ostfriesland) St. Ludgeri 1693
r + Peize (NL; Prov. Drenthe) Hervormde Kerk 1697
r o Pellworm (D; Schleswig-Holstein) Alte Kirche 1711
r + Sneek (NL; Prov. Friesland) Martinikerk 1711
r o Stade (D) St. Cosmae 1676
r o Steinkirchen (D; Altes Land) St. Nicolai et Martini 1687
r o Uithuizen (NL; Prov. Groningen) Hervormde Kerk 1701
r o Weener (D; Ostfriesland) Reformierte Kirche 1710
(r) Zwolle (NL) Grote Kerk (Michaelskerk) 1721




Erhaltene Orgel-Prospekte von
Arp Schnitger

 

Abbehausen (D; Wesermarsch)
Accum (D; Jeverland)
Bülkau (D; Niederelbe)
Clausthal-Zellerfeld (D; Harz)
Eexta (NL; Prov. Groningen)
Estebrügge (D; Altes Land)
Eutin (D; Schleswig-Holstein)
Golzwarden (D; Wesermarsch)
Jork (D; Altes Land)
Oederquart (D; Niederelbe)
Strückhausen (D; Wesermarsch)
Rendsburg (D; Schleswig-Holstein)

 

 


St. Laurentius
Ev. ref. Kirche
Johannis der Täufer
St. Salvatoris
Hervormde Kerk
St. Martini
Schlosskapelle
St. Bartholomäus
St. Matthias
St. Johannis
St. Johannis
Christkirche

 

 


1713
1705
1677
1702

1702
1693
1698
1709
1682
1698
1716

 


Quelle: Herr Gerd Müller und Herr Prof. Dr. Harald Vogel


Weitere Informationen zu Arp Schnitger:

Arp Schnitger Gesellschaft e.V.
Raiffeisenstraße 21
26919 Brake
Tel.: 04401/70 57 99-0
This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.


Arp Schnitger Gesellschaft Grasberg e.V.
Tel.: 04208/91873

Weiterführende Literatur: Cornelius H. Edskes und Harald Vogel: "Arp Schnitger und sein Werk". Bremen 2009.

Informationen zu Besichtigungen, Orgelreisen und Konzerte:

Organeum in Weener
Norderstraße 18
26826 Weener
Tel.: 04951/91 22 03


Orgelakademie Stade
Beim St. Johanniskloster 11
21682 Stade
Tel.: 04141/77 83 85