Meereslichter... Leuchttürme im Nordwesten

Wegweiser in der Nacht

Solange es Seefahrt gibt, waren die Seeleute auf besondere Markierungen an Land angewiesen, um sicher gefährliche Küstengewässer durchfahren zu können. Markante Landerhebungen und Bauwerke waren bei Tag hilfreich, aber nachts konnten nur lodernde Feuer den Weg weisen. Und um möglichst weit zu leuchten, macht es natürlich Sinn, diese Leuchtfeuer auf hohen Türmen anzuzünden.
Der erste überlieferte Leuchtturm ist der von Alexandria, der in der Antike zu den sieben Weltwundern zählte und irgendwann zwischen 283 und 247 v. Chr. errichtet wurde. So alt sind die Leuchttürme im Nordwesten allerdings nicht, aber auch unter ihnen gibt es kleine technische Wunderwerke, die man sich genauer ansehen kann.

 
Der 'alte Leuchtturm' auf Borkum (ROTHM)

Die Inseln

Der älteste noch vorhandene Leuchtturm im Weser-Ems-Gebiet ist der „Alte Leuchtturm“ auf Borkum. Nachdem der Turm 1575 mit spitzem Dach erbaut worden war, erfolgte 1817 ein Umbau der Turmspitze, die ein Laternenhaus erhielt. D.h. seit 1817 diente der Turm als Leuchtturm. Nachdem der Turm 1879 durch ein Feuer unbrauchbar geworden war, wurde im gleichen Jahr der „Große Turm“ von Borkum innerhalb nur eines halben Jahres aus 1,5 Millionen Ziegelsteinen gebaut. Das war für die damaligen Verhältnisse eine absolute bauliche Meisterleistung. Mit 60,3 m ist er einer der höchsten Türme an der Küste und zählt zweifellos zu den schönsten Leuchttürmen.
Und wo wir gerade auf Borkum sind, hier steht auch der 28 m hohe „Elektrische Turm“, der erste aus gusseisernen Segmenten gebaute Leuchtturm in Deutschland. Er wurde von 1887 bis 1889 errichtet und war der erste deutsche Leuchtturm mit einer elektrisch betriebenen Lampe. 2003 wurde das Feuer gelöscht, er dient seit 1966/67 als Radarturm.

 
Der Leuchtturm von Norderney (ROTHM

Zwei Inseln weiter steht ein ebenfalls recht alter Leuchtturmveteran, nämlich der 54 m hohe, achteckige Ziegelturm von Norderney, der bereits 1872 – 74 vom gleichen Baumeister errichtet wurde wie der große Turm auf Borkum. Ursprünglich hatte der Turm, wie fast alle Leuchttürme, eine ständige Besatzung von Leuchtturmwärtern, die aber 1981durch eine Fernüberwachung überflüssig wurden.

 

 
Der 'alte Leuchtturm' auf Wangerooge (ROTHM)

Der alte Leuchtturm von Wangerooge

Noch älter ist der alte Leuchtturm von Wangerooge. Als er 1856 gebaut wurde, stand er noch auf dem Ostteil der Insel, die sich seitdem unablässig weiter nach Osten verlagert hat. Er war ursprünglich nur 30 m hoch und wurde 1927 um 9 m erhöht. 1969 wurde er stillgelegt, weil man ihn vom Meer aus kaum noch sehen kann, und im Turmzimmer finden Trauungen statt. Ansonsten beherbergt er das Inselmuseum. Etwas nordwestlich wurde 1966 – 69 der neue Turm von Wangerooge aus Beton gebaut, der von Wilhelmshaven aus fernüberwacht wird. Er gehört zu den schönsten der modernen Türme. Zumeist zeichnen sich neue Leuchttürme durch einfallslose, rohrförmige Turmschäfte aus, auf denen oben irgendein Lampenhaus angebracht ist. Beim neuen Turm von Wangerooge ist aber eindeutig noch Liebe zum gestalterischen Design zu erkennen. Am Westende der Insel stand bis vor ca. hundert Jahren noch der 1601 fertig gestellte „Westturm“, in dessen Dach zwischen 1624 und 1630 eine Öllampe als Leuchtfeuer brannte. Er wurde 1914 gesprengt. 1933/34 wurde der heutige „Westturm“ als Nachbau errichtet.

 
Der Leuchtturm 'Hohe Weg' (ROTHM)

Im offenen Meer

Im Meer vor der Wesermündung, das wegen der vielen Sandbänke sehr tückisch ist, wurden mehrere Leuchttürme errichtet, von denen hier zwei erwähnt werden sollen: 1824 begann die Stadt Bremen mit der Planung eines Leuchtturms auf der Sandbank „Hohe Weg“, dessen Bau jedoch vom Herzogtum Oldenburg ca. 30 Jahre lang verhindert wurde. Der Leuchtturm wurde dann 1856 als Backsteinbau errichtet und ist somit genau so alt wir der alte Turm von Wangerooge. Es war der erste deutsche Leuchtturm, der in der offenen See errichtet wurde. 1996 erhielt er seine rote Aluminium-Verkleidung, 1962 wurde er mit Radar bestückt und seit 1973 ist er ferngesteuert, und die Leuchtturmwärter wurden nach hause geschickt.

 
Der Leuchtturm 'Roter Sand' (ROTHM)

Der zweifellos berühmteste Leuchtturm Deutschlands ist der Turm „Roter Sand“, der seinen Ruhm auch völlig zurecht erworben hat. Sein Bau 1883 – 85 war eine technische Meisterleistung, denn er wurde aus Eisenplatten 34 m hoch auf einer wandernden Sandbank im ca. 10 m tiefen, offenen Meer errichtet. Das Fundament reicht 22 m tief in den Untergrund. 1987 kam der Turm wieder in die Schlagzeilen. Die Standfestigkeit hatte im Laufe der Jahre stark gelitten und deshalb wurde am 1.10.1987 in einer einzigartigen Rettungsaktion mit riesigen Schwimmkränen eine gewaltige Stahlmanschette von oben über den Turm geschoben und um das alte Fundament herum im Meeresgrund verankert und der Spalt mit Beton ausgefüllt.
Der Turm mit seinen drei typischen Erkern war mit drei Leuchtturmwärtern bemannt, ein vierter war immer in Urlaub, wobei der Dienst 3 Monate mit 1 Monat Urlaub betrug. 1986 wurde das letzte Feuer im Turm gelöscht; seitdem steht er unter Denkmalschutz.

 
Der Leuchtturm Arngast (ROTHM)

Im Jadebusen

Der Leuchtturm Arngast, der mitten im Jadebusen steht, wurde 1909/10 aus gusseisernen Ringen gebaut und steht 36 m hoch aufragend auf der ehemaligen Insel Arngast, die 1905 im Meer versank. 112 Gründungspfähle mussten für sein Fundament in den Boden gerammt werden. Seit 2003 ist er als Kultur-/ Baudenkmal eingetragen; 2007 wurde er neu angestrichen.

 
Der Leuchtturm in Eckwarden (ROTHM)

An der Nordostecke des Jadebusens steht bei Eckwarden seit 1962 eine 37 m hohe Leuchtbake, die wegen ihrer wahrlich ausgefallenen – oder darf man sagen: hässlichen – Bauform in diese Aufzählung aufgenommen wurde.

 

 

 
Der Leuchtturm Dangst (ROTHM)

Von Wilhelmshaven nach Dangast

Ein paar Worte noch zum ehemaligen kleinen Leuchtfeuer auf der Marinemole in Wilhelmshaven. Der kleine Turm wurde nicht mehr gebraucht, und 2005 überlegte sich die Verwaltung von Dangast, dass er doch rechts hübsch an ihrer Hafeneinfahrt aussehen würde. So wurde der Turm für einen symbolischen Betrag gekauft und nach Dangast geschafft. Daraufhin regte sich erheblicher Bürgerprotest in Wilhelmshaven, und seit 2006 steht auf der Marinemole wieder ein Nachbau des alten Türmchens.

 
Der Leuchtturm auf der Emdener Hafenmole (ROTHM)

Emden und Krummhörn

Ein kleines Schmuckstück ist der 1913 gebaute, nur 9 m hohe Leuchtturm auf der Emdener Hafenmole. Da er im gesperrten Gebiet der Autoverladungen steht, kann man ihn nur von der Fähre nach Borkum aus bewundern. Gegen die riesigen Autofrachter wirkt das Türmchen geradezu winzig.

 
Der Radarturm in Knock (ROTHM)

Der Radarturm in Knock

In Knock ist die Verkehrszentrale Ems untergebracht, die Dienste für die Navigationsunterstützung der Schifffahrt in der Emsmündung und darüber hinaus anbietet. Der 55 m hohe Radarturm wurde 1972 in Betrieb genommen und besticht durch eine schöne, futuristische Form. In 28 m Höhe ist ein Quermarkenfeuer untergebracht, d.h. es ist tatsächlich ein Leuchtturm.

 
Der Leuchtturm bei Campen (ROTHM)

Deutschlands höchster Leuchtturm steht bei Campen. Der rote Dreibeinturm mit weißem Mittelrohr wurde 1889 gebaut, ist 65 m hoch, und wer die 320 Stufen einmal rauf und runter gelaufen ist, glaubt bestimmt, dass es der höchste ist. Auch er wurde von Anfang an elektrisch betrieben, und im Maschinenhaus steht noch ein betriebsbereiter MAN-Dieselgenerator von 1906.

 

 
Der Leuchtturm in Pilsum (ROTHM)

Der Leuchtturm in Pilsum

Unsere kleine Leuchtturm-Tour endet in Pilsum, wo 1891 ein kleiner, nur 11 m hoher Turm in Betrieb genommen wurde, der schon 1919 nicht mehr benötigt wurde, weil sich das Fahrwasser draußen im Meer verlagert hatte. Jahrzehntelang rottete der Turm vor sich hin, bis 1973 die erste Renovierung erfolgte. Und dank des ostfriesischen `Original` den Otto und zahlreicher Fernsehauftritte hat dieser Turm inzwischen deutschlandweite Berühmtheit erlangt. Seit dem 20.7.07 leuchtet der Leuchtturm nachts wieder. Allerdings nur landwärts, um die Schifffahrt nicht zu stören. Auch er wird heute für Trauungen genutzt.

Dr. Bernd Rothmann

Mehr zu deutschen Leuchttürmen findet man auf www.meereslichter.de.