Einst lebensnotwendig, heute nur noch im Museum...

Die Bezeichnung für diese Schiffe leitet sich vom "Leuchtfeuer" ab, das auf ihnen angebracht war, und anstatt eines massiven Leuchtturmes den Schiffen bei Nacht den Weg durch gefährliche Fahrwasser wies. Denn oft gibt es im Meer Bedingungen des Untergrundes und der Strömungen, die den Bau eines festen Leuchtturmes an den notwendigen Positionen unmöglich machen. Dort mussten bis vor gar nicht so langer Zeit die Feuerschiffe ihren Dienst versehen. Feuerschiffe haben einen auffälligen roten oder orangen Anstrich und auf der Seite ist in großen, weißen Buchstaben ihre Position angegeben, die gleichzeitig namensgebend ist. Es gibt bemannte (FS) und unbemannte, vollautomatische Feuerschiffe (UFS).

 
Laterne eines Feuerschiffes 'Borkum Riff' (ROTHM)

Neben dem Leuchtfeuer sind die Schiffe meist noch mit Nebelhörnern, Funk, Echolot, Radar, passiven Radarreflektoren und anderen Mitteln ausgestattet, um von vorbeifahrenden Schiffen gut geortet werden zu können. Sie könne zwar wie jedes Schiff gefahren werden, sind aber im Dienst auf ihren Standort fixiert, und in Seekarten wie ein festes Seezeichen verzeichnet.

 

 

 
Laterne des ehemaligen Feuerschiffs 'Fehmarnbelt' (ROTHM)

Von bemannten zu unbemannten Feuerschiffen

Das erste Feuerschiff überhaupt wurde um 1770 in der Themsemündung eingesetzt. Aber schon 4 Jahre später folgte ein erstes „Feuerboot“ in Deutschland. Es war ein mit einer Lampe versehenes Lotsenboot. 1815 wurde in Deutschland das erste echte Feuerschiff vor der Eidermündung in Betrieb genommen.
Mit der Borkumriff IV wurde 1988 das letzte deutsche bemannte Feuerschiff außer Betrieb genommen. Seitdem gibt es nur noch die unbemannten Feuerschiffe, und mehrere alte Feuerschiffe werden als Museumsschiffe in zahlreichen Häfen erhalten.
Siegfried Lenz hat den Feuerschiffen in seinem gleichnamigen Roman ein bleibendes Denkmal gesetzt.

 
Feuerschiff 'Borkum Riff' (ROTHM)

Das Feuerschiff "Borkum Riff"

Das Feuerschiff  "Borkum Riff" liegt heute als Museumsobjekt im Hafen von Borkum und beherbergt seit 1989 das Nationalpark-Informationszentrum der Insel Borkum mit eigener Ausstellung rund um das Thema Wattenmeer. Das Schiff wurde als 75. und letztes deutsches Feuerschiff "Borkumriff IV" 1955/56 gebaut. Es ist 54 m lang und 9 m breit, verdrängt 883 t und war das einzige Feuerschiff ohne Bugspriet. Am 15.7.88 wurde es außer Betrieb genommen, ist aber immer noch einsatzbereit.
Die Station Borkumriff, ca. 30 km nordwestlich der Insel war von 1875 bis 1988 mit Schiffen besetzt.

 
Feuerschiff 'Deutsche Bucht' (ROTHM)

Das Feuerschiff "Deutsche Bucht"

Das Feuerschiff "Deutsche Bucht" hieß lange Zeit auch "Amrumbank". Das Schiff wurde 1915 in der Meyer-Werft in Papenburg gebaut und versah von 1917 bis 1983 seinen Dienst auf verschiedenen Positionen in der Nordsee, darunter eben 20 Jahre auf der Amrumbank und 14 Jahre in der Deutschen Bucht. Heute liegt dort ein unbemanntes Feuerschiff.
Seit 1984 liegt es als Museumsschiff im Ratsdelft in Emden, wobei die Messe zum Restaurant umgebaut wurde; und auch Trauungen werden an Bord durchgeführt.

 
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Das Feuerschiff "Elbe 1"

Feuerschiff "Elbe 1" liegt an der Innenseite am historischen Bollwerk Alte Liebe im Alten Hafen von Cuxhaven. Die alte Elbe 1 war am 27.10.1936 im Sturm gesunken, weil sie bis zuletzt auf ihrer angewiesenen Position mitten in der Deutschen Bucht ausharrte, statt einen schützenden Hafen aufzusuchen. Der 1943 begonnene Bau der neuen Elbe 1 durch die Meyer Werft in Papenburg verzögerte sich durch den 2. Weltkrieg, und das Schiff konnte erst im Oktober 1948 auf Station vor Anker gehen.
Das Schiff hieß ursprünglich "Bürgermeister O'swald II", verdrängt ca. 1000 Tonnen und ist 57,3 m lang und 9,5 m breit. Es gilt als kentersicher.

 
Feuerschiff 'Elbe 3' (ROTHM)

Das Feuerschiff "Elbe 3"

Vor dem Deutschen Schifffartsmuseum in Bremerhaven liegt das ehemalige Feuerschiff Elbe 3, das 1909 in Tönning als dreimastige Eider-Galliot gebaut worden war. Von 1909 bis 1914 lag es als Feuerschiff und Lotsenstation auf der Position Eider, von 1914-1918 diente es als Sperrfeuerschiff bei Minenfeldern. 1919 wurde es mit einem Dieselantrieb versehen und lag seit 1927 auf Position Elbe 3, kurzfristig auch als Reserveschiff auf Elbe 2 und Elbe 4. 1927 hatte das Schiff den Namen "Bürgermeister Abendroth II" erhalten. Während des zweiten Weltkrieges war des Schiff in der Ostsee stationiert. Von 1945 bis 1966 war die Galliot in Cuxhaven beheimatet und auf Position Elbe 3 nordöstlich von Neuwerk stationiert. Seit 1967 gehört sie zum Bestand des Schifffahrtmuseums in Bremerhaven. Das Schiff wurde 2005 aufwändig restauriert.

 
Feuerschiff 'Elbe 3' (CH)

Es gibt noch eine zweite "Elbe 3", die als Museumsschiff seit 1979 im Museumshafen Övelgönne in Hamburg-Neumühlen liegt und vom dortigen "Förderkreis Elbe 3" erhalten wird. Das Schiff hat leider keine Laterne mehr. Dieses 45 m lange Schiff wurde 1888 als Feuerschiff "Weser" mit drei Masten in Vegesack gebaut und ist das älteste fahrtüchtige Feuerschiff der Welt. 1936 wurden Hilfsbesegelung und der mittlere Mast entfernt; dafür wurden eine Dieselmaschine und ein Schornstein angebracht. Von 1954-1966 lag das Schiff auf seiner Position in der Weser, bis es durch einen Leuchtturm ersetzt wurde. Von 1966-1977 war es als Nachfolgerin der alten Elbe 3 (siehe oben) auf Position Elbe 3 stationiert, bis es auch dort durch eine Leuchttonne ersetzt wurde.

 
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Das Feuerschiff "Weser"

Das Feuerschiff "Weser" wurde am 14. März 1907 in Bremen als "Norderney 1" fertiggestellt, nahm aber erst 1954 seine Position als Feuerschiff „Weser“ ein. Die Station Weser war von 1874 bis 1981 mit Feuerschiffen besetzt. 1981 wurde das Schiff durch eine Großtonne ersetzt und am 22.9.1981 außer Betrieb genommen, nachdem es 74 Jahre seinen Dienst versehen hatte. Es liegt heute als Museumsschiff an der Museumspier im Großen Hafen am Bontekai in Wilhelmshaven.

 
Feuerschiff 'FS 1' (ROTHM)

Z.Z. werden in Deutschland vier unbemannte Feuerschiffe betrieben. Das erste, das "FS 1" wurde 1982/83 gebaut und ist 26 m lang und 6,5 m breit. Die Feuerhöhe beträgt 12 m. Auf dem Foto liegt es wegen eines Marinejubiläums ausnahmsweise in Wilhelmshaven vor Anker. Es gibt z.Z. 4 identische Schiffe, die abwechselnd auf den Stationen Deutsche Buch und GW/Ems (vor Borkumriff) liegen. Bis 1999 gab es auch noch ein unbemanntes Feuerschiff auf der Station Elbe.

Dr. Bernd Rothmann

Mehr zu deutschen Feuerschiffen und Leuchttürmen findet man auf http://www.meereslichter.de.
Umfangreiche Informationen zu Feuerschiffen finden Sie auch auf www.feuerschiffseite.de.