Der deutsche Teil des Rheiderlands liegt im äußersten Nordwesten zwischen der Ems und dem Dollart und gehört zum Landkreis Leer. Der niederländische Teil, westlich der Ems, gehört zur Provinz Groningen. Im Rheiderland ist die evangelisch-reformierte Kirche bestimmend, etwa 70% gehören ihr an. Während weiter östlich im ostfriesischen Küstenraum Granitquaderkirchen und Sakralbauten auch aus Tuffstein erbaut worden sind, wurden die Kirchen im Rheiderland nach den Vorgängerbauten aus Holz aus Backstein errichtet.

 
Kirche in Bunde, Foto: Wikiwal https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bunde_Kirche_Nordseite.jpg

Ev.-ref. Kirche St. Martini in Bunde

Die Kirche gehört aufgrund ihrer Größe und der besondere Ausgestaltung der östlichen Kirchenfront zu den herausragenden Sakralbauten im ostfriesischen Raum. Ursprünglich handelt es sich um eine einschiffige Kirche aus Backstein, um 1200 errichtet, bevor man Ende des 13. Jahrhunderts die Anlage um ein Querschiff und einen rechteckigen Chor ergänzte. Die ebenfalls errichteten zwei Chorflankentürme sind wahrscheinlich bei kriegerischen Auseinandersetzungen Anfang des 16. Jahrhundert zerstört worden. Der Südgiebel des Querschiffes und Teile östlichen Giebels sind im 18. Jahrhundert durch einen Brand zerstört worden. Die Fassadengliederung, an den Giebelwänden dreigeschossig und an den Wandflächen zweigeschossig Gliederung und die Ausschmückungen am Chor und nördlichen Giebel weisen Gemeinsamkeiten mit niederländischen Sakralbauten dieser Periode auf. 

 
Kirche in Bunde, Kirchenschiff, Foto: Wikiwal https://commons.wikimedia.org

Die zweizonige Gliederung der Fassade wird im Inneren fortgesetzt, wie die zweischalige Gliederung der Ostseite mit Arkaden auf schmalern Pfeilern und dahinter liegenden Chorfenster. Die Gewölbedecke wurde Anfang des 18. Jahrhundert durch eine leichtere Holzdecke ersetzt. Bei Restaurierungsarbeiten sind an den Gewölbesegmenten und Gurtbögen Reste der Bemalung aus dem 13. Jahrhundert freigelegt worden. Die Empore im nördlichen Kreuzarm stammt aus dem Jahr 1651. Der Orgelprospekt ist 1791 von H.J. Müller aus Wittmund gefertigt worden. Der kleine, achteckige Taufstein mit Messingdeckel ist in das 13. Jahrhundert zu datieren. Erhalten ist das Kirchengestühl mit Traljengittern und verzierten Türen, das wahrscheinlich von Fr. Alberts hergestellt wurde.

 
Kirche in Weener, Foto: Frisia Orientalis https://commons.wikimedia.org/wiki/File:ChurchWeenerRefGeorg.jpg

Ev.-ref. Kirche St. Georg in Weener

Bereits um das Jahr 1000 soll es in Weener eine Kirche gegeben haben. Die heutige Saalkirche, ehemalige Probsteikirche, aus Backstein stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde im 15. Jahrhundert um einen polygonalen Chor und Ende des 19. Jahrhunderts um einen Nordflügel erweitert. Das Kirchenschiff wurde nach einem Brand auf den Resten des romanischen Sockels neu errichtet. Im Inneren gewölbte Holzdecke, die durch die Bemalung in Segmenten gegliedert ist. Bedeutsam ist vor allem die gut erhaltene Orgel von Arp Schnitger, bzw. seinen Söhnen aus dem Jahr 1710. Emde des 18. Jahrhunderts versetzte und erweiterte J.F. Wenthin die Orgel. Die reich verzierte Renaissance-Kanzel stammt aus dem Jahr 1649 ist mit Beschlagwerk-Ornamenten, ionischen Säulen auf Löwenköpfen und einem sechseckigem Schalldeckel versehen. Aus der Periode stammt auch der Altartisch mit den Balusterfüßen wie auch die Altarbank. Darüber hinaus sind in der Kirche die ältesten nachweisbaren Grabplatten Ostfrieslands erhalten.

 
Kirche Midlum, Foto  (CH)

Ev.-ref. Kirche in Midlum

Die romanische Saalkirche mit Ostapsis aus Backstein wurde Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut. Schlichte Wandung, durch hochliegende große Rundbogenfenster gegliedert. Glockenturm Der Innenraum ist mit einem hölzernen Tonnengewölbe auf Konsolen ausgestattet. Die Die Kanzel aus dem 17. Jahrhundert wurde im 18. Jahrhundert erneuert. Auf der Ostempore befindet sich die Orgel aus dem Jahr 1766. Bemerkenswert ist der freistehende Glockenturm auf quadratischer Grundfläche, Pyramidendach und zweizonige Gliederung durch Rundbogenarkaden.

 
Kirche Bingum, Foto:  (CH)

Ev. Kirche St. Matthaei in Bingum

Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die romanische Saalkirche aus Backstein mit Ostapsis errichtet. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach umgebaut und verändert. Wahrscheinlich im 17. Jahrhundert wurde der obere Mauerbereich abgetragen und die Decke erneuert und im 18. Jahrhundert wurde die Westfront erneuert, die hochsitzenden Rundbogenfenster an der Nordseite vermauert und der Fußboden wurde als „Hochwasserschutz“ höher gelegt. An der Nordseite befindet sich ein freistehender Glockenturm aus dem Jahr 1766 mit Pilastergliederung und einem pyramidenförmigem Dach. Im Inneren befindet sich der aus dem 14. Jahrhundert stammende Taufstein aus Bentheimer Sandstein und eine Kanzel, datiert Ende des 18. Jahrhunderts, von Friedrich Alberts.

 

Ev.-ref. Kirche St. Johannes Baptist in Jemgum

Der Ort Jemgum besaß im Mittelalter drei Kirchen, die Reformierte Kirche ist wahrscheinlich auf den Resten der ehemaligen Kapelle des Johanniterordens Mitte des 19. Jahrhunderts von M.B. Schmidt errichtet worden. 1930 wurde sie durch einen Brand zerstört und von Ludwig Deichgräber aus Aurich, der sich an der Architektur der Klassischen Moderne orientierte, wieder aufgebaut. So wurde z.B. das Tonnengewölbe durch eine waagerecht verlaufende Holzdecke ersetzt. 2004 brannte die Kirche zum zweiten Mal ab, die herabstürzende Decke zerstörte die Orgel und die Orgelempore. Die beschädigte Kanzel wurde ausgebaut, restauriert und mit einer Kopie des ehemaligen Schalldeckel versehen. Die erste Orgel wurde in de 60er Jahren des 19. Jahrhunderts von Brond de Grave Winter gefertigt, da sie durch den Brand 1930 zerstört wurde, ist sie durch eine Orgel von Klaus Becker ausgetauscht worden, die wiederum nach dem Brand von 2004 durch eine Orgel von J.W. Walker ersetzt wurde.

 
Kirche Holtgaste, Foto:  (CH)

Ev. Kirche Holtgaste

Wahrscheinlich ist die Kirche auf den Vorgängerbau aus Holz, der von Benedediktiner-Mönchen gebaut wurde, als Saalkirche aus Backstein im 13. Jahrhundert errichtet worden. Die ursprüngliche Apsis wurde später durch einen gewölbtem Chor auf quadratischem Fundament ersetzt. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche im Westen verkürzt und durch das Versetzten der Südwand verkürzt. Im 19. Jahrhundert verlegte man den Eingang vom der nördlichen zur westlichen Seite und baute zusätzliche Fenster ein. An der Südseite befindet sich der freistehende Glockenturm, erbaut 171 auf Fundamenten aus dem Mittelalter. Die Innenausstattung wird bestimmt durch die mit Holzschnitzereien und Intarsien reich verzierte Kanzel von Tönnies Maler, aus dem Jahr 1644.

 
Kirche Ditzum, Foto:  (CH)

Ev.-ref. Kirche Ditzum 

Die romanische Saalkirche aus Backstein wurde wahrscheinlich Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut. Die ehemalige Ostapsis wurde Mitte des 16. Jahrhundert entfernt. Reste der romanischen Rundbogenfenster sind noch an der Nordseite erhalten. Die Portale an der Süd- und Nordwand wurden zugemauert und der Fußboden wurde angehoben. Marten Bruns Schmidt baute 1846 den freistehenden Glockenturm, der einem Leuchtturm ähnelt und vermutlich auch als Seezeichen diente. Im Inneren befindet sich ein hölzernes Tonnengewölbe mit Ankerbalken. Erhalten ist auch ein achteckiger Säulenstumpf um 1500. Die Kanzel mit Schalldeckel aus dem Jahr 1684 stammt von Frederich Alberts, der Altartisch ist ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert. Darüber hinaus sind mehrere romanische Grabplatten vorhanden, die aus der Zeit vor der Erbauung der Kirche stammen.

Christina Hemken  

Abbildungen

(1) Kirche Jemgum, Foto: Uwe Kreisel, wikimedia.org
(2) Kirche in Bunde, Foto: Wikiwal https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bunde_Kirche_Nordseite.jpg"
(3) Kirche in Bunde, Kirchenschiff, Foto: Wikiwal https://commons.wikimedia.org
(4) Kirche in Weener, Foto: Frisia Orientalis https://commons.wikimedia.org/wiki/File:ChurchWeenerRefGeorg.jpg
Alle andere Bildnachweise bei den Abbildungen: (CH)

Literatur/Quellen

Hermann Haiduck: Die Architektur der mittelalterlichen Kirchen im ostfriesischen Küstenraum. Aurich 1986

Monika van Lengen: Inseln der Ruhe. Kirchen in Ostfriesland. Leer 1996

Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland. Bonn 2010

Gottfried Kiesow: Hans-Christian Hoffmann; Roswitha Poppe; Hans Reuther; Walter Wulf: Bremen Niedersachsen. Reihe Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Berlin 1992

Robert Noah: Ostfriesische Kirchen. Aurich 1980

Robert Noah: Gotteshäuser in Ostfriesland. Norden 1989

Ingrid Nöldeke: Der Stoff aus dem die Kirchen sind. Schortens 2009

Beitrag Wikipedia "Reformierte Kirche (Jemgum)", abgerufen am 24.1.2016