1.200 Jahre Tradition und Weltoffenheit prägen Bremen, die Hansestadt an der Weser. Die alte Handelsstadt mit ihrem historischen Zentrum rund um den Marktplatz verströmt das Flair einer jungen Großstadt. Und dennoch wird jeder, der sich mit offenen Augen auf Zeitreise begibt, Zeugen der langen Geschichte und jede Menge spannende Geschichten finden. In Bremen gibt es Häuser, die sich wie Perlen an einer Schnur aneinanderreihen, Esel, die sich „Guten Tag“ sagen, und Kathedralen, die unter sorgsamer Beobachtung stehen.

 
 Stadtmusikanten. Fotograf Silke Krause (BTZ).Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 302)

Weltkulturerbe Rathaus und Roland zu Bremen

Unverwechselbare Wahrzeichen bleiben das prächtige Rathaus im Stil der Weser-Renaissance (UNESCO-Welterbe), der Schnoor – Bremens ältestes Stadtviertel, die ungewöhnliche Architektur der traditionsreichen Böttcherstraße, der Bremer Dom oder die ehrwürdige Figur des Roland auf dem historischen Marktplatz. Seit 1404 manifestiert die älteste Freiheitsstatue den Bürgerwillen nach Unabhängigkeit. Für einen Rundgang zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist nicht mal ein Stadtplan nötig. 2000 Nägel aus Messing und Stahl führen vom Liebfrauenkirchhof über Marktplatz und Schnoor zur Böttcherstraße.

 
 Stadtmusikanten. Fotograf Silke Krause (BTZ).Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 302)

Anfangspunkt der Route ist das heimliche Wahrzeichen der Hansestadt. Mit dem Rücken zum Rathaus und dem Gesicht zum Liebfrauenkirchhof präsentiert sich die von Gerhard Marcks entworfene Bronzestatue der Bremer Stadtmusikanten. Das Märchen von den Sagengestalten ist in aller Welt bekannt und seit den Brüdern Grimm so eng mit Bremen verbunden wie Rathaus und Roland. Wer den Esel an den Beinen berührt erhält Glück und hat einen Wunsch frei. Doch die richtige Ausführung dieser Geste will gelernt sein. Mit beiden Händen müssen Esels Beine leicht gerieben werden, sonst ist der Wunsch für die Katz’. Übrigens bedeutet die unkorrekte Variante, bei der nur eine Hand zum Einsatz kommt, aus Sicht der Bremer, dass sich zwei Esel „Guten Tag“ sagen!

 
Ratskeller. Fotograf Manuela Gangl (www.merepics.de) Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 3079)

Bremer Ratskeller

Nur wenige Schritte von den Stadtmusikanten entfernt, ebenfalls an der Westseite des Rathauses, befindet sich der Eingang zum ältesten Weinkeller Deutschlands. Im Bremer Ratskeller schenkt der Kellermeister bereits seit 1409 edle Tropfen aus. Mit 1.200 verschiedenen, klangvollen Sorten beherbergt er die größte Sammlung deutschen Weins. In der großen Gewölbehalle, zwischen Säulen und Prunkfässern mundete es auch schon berühmten Persönlichkeiten. Nicht nur Heinrich Heine ließ sich hier zu einem Gedicht inspirieren, auch Wilhelm Hauff verfasste seine Novelle „Phantasien im Bremer Ratskeller“ an Ort und Stelle.

 
Roland. Fotograf Manuela Gangl (www.merepics.de). Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 2880)

Roland zu Bremen

Besonders stolz sind die Bremer auf ihr über 600 Jahre altes Rathaus. Seine Einzigartigkeit bestätigt seit 2004 das Welterbekomitee der UNESCO und erhob Rathaus und Roland auf dem Bremer Marktplatz zum Welterbe der Menschheit. „Das Rathaus und der Roland zu Bremen sind ein einzigartiges Zeugnis für die bürgerliche Autonomie und Souveränität, wie diese sich im Heiligen Römischen Reich entwickelten“, heißt es unter anderem in der Begründung des Gutachtens, das der Entscheidung zugrunde liegt. Darin wird für das Rathaus „die herausragende Form der Architektur der späten Renaissance in Norddeutschland, die so genannte Weser-Renaissance“ ausdrücklich gewürdigt.

 
Marktplatz - Rathaus innen. Fotograf Carsten Heidmann (www.heidmannfotografie.de).Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 726)

Nicht zuletzt dieser Architekturstil macht das Rathaus zum Schmuckstück der „guten Stube“, wie die Bremer liebevoll ihren historischen Marktplatz nennen. In der oberen Rathaushalle, dem schönsten und repräsentativsten Festsaal Bremens, tagte früher der Stadtrat. Die Bedeutung von Handel und Schifffahrt zeigt sich bis heute an den Schiffsmodellen, die von der Decke hängen. Ihre Minikanonen konnten bei Feierlichkeiten sogar abgefeuert werden. Im 20. Jahrhundert wurde aus Platzgründen ein Anbau an das altehrwürdige Rathaus notwendig, den Architekt Gabriel von Seidel dergestalt an das mittelalterliche Vorbild schmiegte, dass die beiden Gebäude heute eine Einheit darstellen. Nicht weniger imposant als das Rathaus ist der wenige Meter davor stehende Roland. Seine Vorgänger aus Holz mussten sich mehrfach der Feuersbrunst ergeben. Denn als Zeichen der Macht der Kaufmannszunft und Symbol der Freiheit der Hansestadt war die Figur der Kirche stets ein Dorn im Auge. Ganz bewusst richtet er daher seinen Blick auf den erzbischöflichen Dom, um den Anspruch der bremischen Kaufleute auf die Stadtherrschaft zu untermauern. Aus Stein gemeißelt steht er nun seit über 600 Jahren auf dem historischen Bremer Marktplatz als „eine der ältesten und die repräsentativste der Roland-Statuen, die als Symbol für Freiheit und Menschheit errichtet wurden“, wie es im Gutachten des Welterbekomitees heißt.

 
St. Petri Dom - Gewölbe. Fotograf Manuela Gangl (www.merepics.de). Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 3026)

St. Petri Dom zu Bremen

An der Ostseite des Rathauses steht unter der strengen Bobachtung des Rolands der St. Petri Dom zu Bremen. Das höchste Gebäude der Hansestadt ragt mit seinen Türmen 99 Meter in die Luft. Nach einem ungeschriebenen Gesetz darf in Bremen kein Gebäude errichtet werden, das höher als der Dom ist. Das überwiegend aus Sandstein erbaute Gotteshaus enthält sowohl romanische als auch gotische Elemente. Ein prägendes Detail der Doppelturmfassade ist das Rosettenfenster aus dem 13. Jahrhundert. Die im Rokoko-Stil gehaltene Kanzel kam als Geschenk der schwedischen Königin Christina im Jahr 1653 an die Weser.

 
Marktplatz, Rathaus, Dom, Bürgerschaft bei Nacht. Fotograf Torsten Krüger (www.t-krueger-foto.de). Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 3322)

Trotz der Vormachtstellung der Bremer Kaufleute ist der St. Petri Dom bis heute eng mit der weltlichen Macht der Hansestadt verbunden. Nach dem Matthäusevangelium besitzt der Schutzpatron des Bremer Doms die Schlüssel zum Himmelreich. Einen davon machten sich die weltlichen Herren der Hansestadt an der Weser kurzerhand zu eigen, und so ziert der Petrusschlüssel bereits seit dem Mittelalter das Bremer Wappen. Seine heutige Form erhielt das Bremer Wappen durch die Wappenverordnung von 1891.

 
Schnoor. Fotograf Dietmar Banck (www.banck.de). Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 1783)

Schnoor

Nur wenige Gehminuten vom Dom entfernt, betritt man mit dem ältesten Stadtviertel Bremens fast schon eine andere Zeit. Im Schnoor wird die Vergangenheit lebendig: Kleine, schmale Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert reihen sich aneinander wie die Perlen an einer Schnur, plattdeutsch „Schnoor“. Eine andere Interpretation des Namens führt die Bezeichnung darauf zurück, dass in diesem Teil des alten Fischerquartiers die Taumacher wohnten. Zwischen den gegenüberliegenden Gebäudereihen bleiben oft nur schmale Gänge. Im Schnoor schlendern Besucher in unmittelbarer Nähe der Weser zwischen Goldschmiede- und Kunsthandwerk, ruhen sich in einem der zahlreichen Cafés oder Restaurants aus oder erwerben Mitbringsel aus der Hansestadt.

 
Schnoor - Kaiser Friedrich. Fotograf Manuela Gangl (www.merepics.de). Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 2956)

Lebendige Historie gibt es hier im Bremer Geschichtenhaus zu erleben. Ein Haus der Geschichten, die zu Bremen gehören wie das Rathaus und der Roland. Der freundliche Herr mit dem muschelverzierten Dreispitz am Eingang zum Beispiel – das ist Jakobus Major, an der Fassade in Holz zu bewundern, im Bremer Geschichtenhaus aus Fleisch und Blut. Er berichtet den Besuchern höchstpersönlich, warum die berühmte Pilgerreise nach Santiago de Compostela über Bremen ging. Vielleicht wird er die Gäste auch mit Heini Holtenbeen bekannt machen, dem sie beim Zigarrenmachen zuschauen können und der sie dann seinerseits der Fisch-Lucie vorstellt. Wer die berüchtigte Giftmörderin Gesche Gottfried kennen lernen möchte, sollte sich von ihr einen typisch bremischen Prüttkaffee aufgießen lassen – mahlen müssen die Besucher ihn allerdings mit einer alten Handmühle vorher selbst. Außerdem gibt es ein altes Handelsschiff zu navigieren, ein Kaufmannskontor zu bestaunen und vieles aus der Bremer Geschichte und der Geschichte des Schnoors in Erfahrung zu bringen.  

 
Pannekoekschip Admiral Nelson. Fotograf Silke Krause (BTZ). Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 501)

Weserpromenade Schlachte

Vom Schnoor aus sind es nur ein paar Meter flussabwärts entlang der Weserpromenade Schlachte zu einem einmaligen Kunst- und Architekturprojekt. In der Böttcherstraße lebten früher dem Namen entsprechend die Fassmacher, deren Berufsbezeichnung sich vom Ausdruck „Bottich“ für Fass herleitet. Heute ist die kleine Gasse das Zuhause von Kunst und Kunsthandwerk. Der Bremer Kaffeekaufmann Ludwig Roselius kaufte Anfang des 20. Jahrhunderts nach und nach die Häuser der verfallenen Straße und ließ sie zu einem architektonisch außergewöhnlichen und gleichzeitig einheitlichen Straßenzug restaurieren. Mit Hilfe der Architekten Bernhard Hötger, Eduard Scotland und Alfred Runge erreichte der Erfinder des koffeeinfreien Kaffees sein Ziel: Die Verbindung zwischen Marktplatz und Weser zu einer bewusst konzipierten Häusergruppe von architektonischer Bedeutung im Stilmix von Art Déco und Backsteinbauweise zu gestalten. Eine Rückbesinnung auf die niederdeutsche Kultur in Sprache, Kunst und Kunsthandwerk war Roselius’ Idee und Ausgangspunkt.

 
Böttcherstraße. Fotograf Silke Krause (BTZ). Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 493)

Böttcherstraße

Zu den Besonderheiten der Böttcherstraße gehört der drehbare Turm im Mauerwerk zwischen dem Haus des Glockenspiels und dem Roselius-Haus. Zum Klang des Glockenspiels zeigt er bekannte Ozeanbezwinger, womit Roselius auf den Pioniergeist der Hansestadt anspielt. Denn in Bremen entstand die erste Maschine, die von Ost nach West den Atlantik überflog, ein Flugzeug vom Typ Junkers W 33 namens „Bremen“. Eine andere Form von Pioniergeist verbirgt sich hinter dem ebenfalls in der Bremer Böttcherstraße gelegenen Paula-Modersohn-Becker-Haus: Es ist das erste Museum weltweit, das einer Frau gewidmet war. Dann gibt es noch die vielen kleinen Kunsthandwerksbetriebe, wo sich die Künstler bei der Fertigung ihrer Produkte über die Schultern schauen lassen. Und nicht zuletzt die Lage der Straße zwischen Weser und Marktplatz macht die kleine Gasse zu einem Magnet für Touristen.

 
Marktplatz mit Rathaus (CH)

Zurück auf dem Marktplatz gleich rechter Hand und dem Rathaus direkt gegenüber residiert die Bremer Handelskammer im Schütting. An der Frontseite des im Renaissance-Stil entworfenen Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert prangt der Leitspruch der Bremer Kaufleute: „buten un binnen, wagen un winnen“. Das plattdeutsche Motto verdeutlicht das Erfolgsrezept der Bremer Handelszunft, heißt es doch soviel wie „drinnen und draußen, wagen und gewinnen“. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Bauwerk bis auf Brand die Umfassungsmauern nieder. Der Wiederaufbau rekonstruierte die Außenfront in ihrer alten Form, während die Innenräume neu gestaltet wurden. Übrigens eröffnete im Schütting das erste Kaffeehaus im deutschsprachigen Raum, und mit der Ausschankgenehmigung von 1673 ist Bremen auch die erste Stadt Deutschlands in der Kaffee ausgeschenkt werden durfte. Nur wenige Gehminuten vom Schütting entfernt steht die Bremer Stadtwaage, in der jeder Händler seine Waren wiegen lassen musste. Das 1586 bis 1588 von Lüder von Bentheim entworfene Gebäude ist ein Paradebeispiel für den Architekturstil der Weserrenaissance. Wie zahlreiche weitere Bauten der Hansestadt fiel auch die Stadtwaage dem Bombardement vom 6. Oktober 1944 zum Opfer. Aufgrund von Unstimmigkeiten über die Gestaltung verbirgt sich hinter der rekonstruierten Fassade heute ein Neubau, in dem die Günter-Grass-Stiftung sowie die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ihren Sitz haben.

 
Focke-Museum Haus Riensberg. Fotograf Manuela Gangl (www.merepics.de) Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 2904)

Focke-Museum – Bremer Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte

Auch abseits des Bremer Stadtkerns finden Geschichtsinteressierte lohnende Ausflugsziele. Freunden der Kunst- und Kulturgeschichte bietet der Besuch des Focke-Museums eine ausgezeichnete Möglichkeit, in die Geschichte Bremens einzutauchen. Zu sehen gibt es Ausstellungsstücke aus der Vor- und Frühgeschichte des Bremer Raumes sowie dem frühen Mittelalter. Auch die Schifffahrt kommt nicht zu kurz. Das Programm des Landesmuseums wird ständig aktualisiert mit Themen zum Kunsthandwerk und Design sowie Fotografie und Kunst.

 
Überseestadt, Überseehafen Speicher XI. Fotograf: Silke Krause (BTZ). Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 485)

Weitere architektonische Kleinode finden sich im jüngsten Stadtviertel Bremens, der Überseestadt. Hier zeugt Speicher XI von der Wandlungsfähigkeit eines alten Lagerhauses. In dem alten Hafengebäude mit der historischen Backsteinfassade findet sich heute eine innovative Mischung aus Kunst, Kultur und Büroalltag. Neben der Hochschule für Künste beherbergt das längste Gebäude Bremens das Infocenter der Überseestadt, das Bremer Hafenmuseum sowie kreative Unternehmen. Ein anschauliches Beispiel für die lebendige Geschichte der Hansestadt.

 
Überseestadt,Europahafen Kirchentag. Fotograf: Ingrid Krause (BTZ). Bildquelle BTZ Bremer Touristik-Zentrale (BTZ 3482)

Bremer Überseestadt

Die Bremer Überseestadt insgesamt veranschaulicht wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen. Auf einer der größten Baustellen Europas entsteht hier mitten zwischen alten Hafengebäuden ein innovatives Stadtviertel direkt an der Weser. Neue Architekturen erheben sich neben umgestalteten alten Strukturen, woraus sich das bewegte Ambiente der Überseestadt ergibt.

Mehr Informationen über Bremen und seine vielfältigen Angebote gibt es bei der:

Bremer Touristik-Zentrale (BTZ)
Findorffstrasse 105
28215 Bremen
Tel.: 01805/101030
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