Als der von Karl dem Großen 787 zum Bischof geweihte Priester Willehad innerhalb seines Missionsgebietes Wigmodien den kleinen Ort Bremen zu seinem Sitz machte, weihte er hier 789, eine Woche vor seinem Tod, einen ersten kleinen hölzernen Dom. "Von wunderbarer Schönheit" sei der gewesen, überliefert der Chronist Adam von Bremen. Doch bereits im letzten Sachsenaufstand 792- 799 wurde er restlos zerstört und nach 805 durch einen ersten steinernen Dom ersetzt.

 
St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner

Der noch heute Maß und Struktur vorgebende, überwiegend aus Sandstein errichtete Bau, eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit zwei Krypten, über denen sich Chöre erheben, stammt aus dem 11. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert erfolgten Einwölbung, Kapellenanbauten und die Errichtung einer Doppelturmfassade. Der Umbau in eine spätgotische Hallenkirche kam durch den Einzug der Reformation zum Stillstand. Nach Jahren der Vernachlässigung wurde von 1888 bis 1901 eine umfängliche Restaurierung unter Einbeziehung von Stilelementen des Historismus durchgeführt. Von 1973 bis 1981 erfolgte eine zweite große Restaurierung mit umfassender Instandsetzung und Erneuerung des Dominneren bei großer denkmalpflegerischer Rücksicht und Sorgfalt.

 

 

 
Südfenster; St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner

Ausstattung

Der St. Petri Dom ist eine reich ausgestattete Domkirche mit zwei Hallenkrypten nach den großen Vorbildern mittelalterlicher Kathedralen des 11./12. Jh., mit einem reich verzierten Bronzetaufbecken eines vermutlich norddeutschen Künstlers aus dem 13. und Resten des einstigen Chorgestühls nach dem Magdeburger Vorbild aus dem 14. Jh., mit plastischem Schmuck des 15./16. Jh. westfälischer Herkunft und insgesamt über 90 Grabdenkmälern bremisch-norddeutscher Künstler des 12. bis 19. Jh. [u.a. das des Freiherrn Knigge]. Auch das 20. Jh. hat zur Ausschmückung der Kirche beigetragen: Farbige Glasfenster der späten 40er bis 60er Jahre, neugestaltete Altäre der 70er und 90er Jahre, ein Chorgitter, Bronzekruzifix und Kunstverglasungen der 70er Jahre, nicht zu vergessen die fünf Orgeln dieser Kirche aus dem 19./20. Jh. 

 
Chorwange; St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner

Chorgestühl

Die Sitzreihen des Chorgestühls waren ausschließlich den Mitgliedern des Domkapitels und der Domgeistlichkeit vorbehalten. Dieses von unterschiedlichen Künstlern um 1360/80 geschaffene Gestühl ist nur noch fragmentarisch erhalten. Seine restaurierten, aus Eiche geschnitzten Seitenwände (Wangen) sind heute schwenkbar in der Südkapelle angebracht. Die reich verzierten Wangen zeigten Szenen aus der Heilsgeschichte, wobei sich Ereignisse aus dem Alten und dem Neuen Testament gegenüberstanden. Erst 1823 wurde das gesamte Chorgestühl bei Restaurierungsarbeiten entfernt. Dem damaligen Dombaumeister ist es zu verdanken, dass bis heute wenigstens 9 der ursprünglich 38 Wangen erhalten blieben. Die Reliefschnitzereien an den restaurierten Fragmenten zeigen jeweils in den Feldern übereinander angeordnet die Verkündigung und Heimsuchung, die Geburt Christi und die Anbetung der Heiligen drei Könige, Szenen aus der Jugend Christi, die Kreuzigung und die Auferstehung. Ebenfalls der Bibel entnommen sind Motive aus der Geschichte der Makabäer, zu denen auch das Wunder der „Heilung des Aussätzigen“ durch die Arztheiligen Kosmas und Damian zählt, sowie der Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies.

 

 

 

 

 
Epitaph; St.  Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner

Epitaphe

Die steinernen Gedächtnistafeln zu Ehren verstorbener Würdenträger sind signifikante Attribute der protestantischen Kirche des 16. und 17. Jahrhunderts. Sie befinden sich überwiegend an Pfeilern und Wänden des Kircheninnenraumes. Die Gedenktafeln, die, unabhängig von der eigentlichen Grabstätte, durch ihren großen bildnerischen und symbolischen Aufwand entscheidend zur künstlerischen Gestaltung des Kirchengebäudes beitragen, behandeln meist Themen wie den Tod, das Jüngste Gericht oder die Auferstehung. Eines der bildnerisch einducksvollsten ist das Epitaph zu Ehren des Domkanonikers Segebade von Hude (gestorben 1578), dessen Mittelpunkt die Anbetung des gekreuzigten Christus durch den Verstorbenen bildet. Um diese sinnbildliche Darstellung entfaltet sich ein überschwänglich dekorativer Rahmen, dessen antikische Architektur Raum für Familienwappen, Putten und Textfelder bietet. Ebenfalls eine bemerkenswerte Arbeit ist das Epitaph für den 1518 verstorbenen Domherren Dr. Gerhard Brandis. Die knieende Gestalt des Verstorbenen, aus dessen Mund sich ein Spruchband entrollt, wird der Marienfigur mit dem Jesuskind gegenübergestellt. In den seitlichen Nischen stehen die vier Evangelisten mit ihren signifikanten Symbolen. In diesem Kunstwerk manifestiert sich schon eindeutig der Einfluss der Frührenaissance, der sich in den Rundbögen, der Säulenarchitektur und den Fruchtgehängen ausdrückt. Der in der Mitte herabhängende Granatapfel ist ein aus der italienischen Kunst übernommenes Mariensymbol.

 
Ostfenster; St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner

Fenster

Von den Fensterverglasungen aus dem 19. Jahrhundert hat keine die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstanden. Im Zuge des Wiederaufbaus wurden zunächst die sechzehnteilige Fensterrose in der Westfassade und die 3 Ostfenster des Hohen Chors, 1951 von Georg K. Rohde aus Worpswede, geschaffen. Die Fenster in den Kapellen des Südschiffs gestalteten 1953 Charles Crodel ("Weihnachtsfenster") und 1962/ 62 Robert Rabold, München ( "Adam und Eva", "Johannes der Täufer"). Zwischen 1970 und 1987 erhielt Gerhard Bücker aus Vellern den Auftrag zur Verglasung der Fenster in den Krypten, dem gesamten Nordschiff, den Obergaden des Mittelschiffs und des Ostchors. Die einzige bildliche Darstellung zeigt den Apostel Petrus im Obergadenfenster der Westempore

 
DomKanzel; St. Petri Domgemeinde, Foto: Hermann Eibach

Kanzel

Als der Dom nach über 70 Jahren der Schließung endlich 1638 gegen den Willen des Rates wieder geöffnet wurde, galt die Errichtung einer prächtigen, barocken Kanzel in der Mitte des Doms als deutliches Zeichen für das lutherische Bekenntnis. Die Kanzel ist ein Werk des dänischen Hofbildhauers Jürgen Kriebel. Wie aus einem reichen Wurzelwerk sprießt der Kanzelkorb, geschmückt von fast vollplastischen Figuren der Propheten des Alten Testaments und den biblischen Urvätern Abraham, Moses und Salomo. Den Treppenaufgang schmücken König David und die Evangelisten. Den ebenfalls reich verzierten Schalldeckel krönt die Figur des auferstandenen Christus mit der Siegesfahne. Zu seinen Füßen befinden sich allegorische Gestalten der christlichen Tugenden.

 
Gedenktafel; St.Petri Domgemeinde, Foto: Brita Friedrichs

Die Domportale mahnen uns

Die Türen des St. Petri Doms sind 1891 von dem Kölner Künstler Peter Fuchs entworfen worden. Das linke Portal zeigt Szenen aus dem Alten Testament, das rechte aus dem Neuen Testament. Verschiedene Darstellungen der Israeliten und Juden tragen deutlich antisemitische Züge. Darin nehmen die Domtüren das christliche Kunstverständnis ihrer Zeit auf. Die St. Petri Domgemeinde ist sich bewusst, dass es sich hierbei um christliche Antijudaismen handelt. Sie weiß um die Shoa und das schwere Leid, das Jüdinnen und Juden zugefügt wurde. Auch unsere Gemeinde hatte daran ihren Anteil. Heute fühlt sie sich verpflichtet, das Verständnis zwischen Judentum und Christentum zu fördern. Daher versteht die St. Petri Domgemeinde diese Portale als Mahnmal. Es fordert dazu auf, sich Diskriminierungen aus ethnischen und religiösen Gründen bewusst zu machen und sie entschieden zurückzuweisen.

 
Ostkrypta; St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner

Ostkrypta

Die Ostkrypta ist ein einheitlich frühsalische Raum ist in seiner ursprünglichen Gestalt unverändert geblieben. Schon Erzbischof Bezelin wird ihn 1042 angelegt und Erzbischof Adalbert die Bauarbeiten fortgesetzt haben. Unter Erzbischof Liemar (+ 1101) erhielt die Ostkrypta ihre endgültige Gestalt. Im Zuge der zweiten großen Domrestaurierung fand der Altar 1984 seinen Platz wieder am ursprünglichen Ort - direkt unter dem Altar des Hochchors im Dom – im von vier romanischen Säulen getragenen Mitteljoch der Ostkrypta. Besondere Beachtung verdienen die Kapitelle der Säulen im Altarbereich. Heidnisch/germanische Symbole wie der Fenrisswolf, die Midgardschlange sind hier vermutlich dargestellt. Blüten- und Blumenmotive ergänzen das Bildprogramm. An anderer Stelle sind Pentagramm und Maske zu finden. Die mit einem Schachbrettmuster versehenen Kämpfer lassen auf lombardischen Einfluss schließen. Die von dem Bildhauer Ernst Gorsemann 1939 geschaffene Grabplatte für Erzbischof Adalbert (1043 – 1072) im Westteil der Krypta erinnert an den 1043 zum Erzbischof von Hamburg-Bremen geweihten Adalbert von Goseck, einen Mann von äußerst markantem Charakter, dessen Leben von grandiosem und tiefem Scheitern geprägt war. Seit einigen Jahren hat die Domgemeinde in der Ostkrypta den "Raum der Stille" geschaffen, der zu Ruhe, Einkehr und Gebet einlädt.

 
Westkrypta, St. Petri Domgemeinde, Foto: Brita Friedrichs

Westkrypta

Die romanische Westkrypta des St. Petri Doms ist der älteste erhaltene Raum Bremens. Sie wurde im Jahre 1066 von Erzbischof Adalbert geweiht. Ihr beträchtliches Alter ist der Westkrypta auch äußerlich anzumerken: unregelmäßig geschichtetes Mauerwerk, Säulenkapitelle mit eigenartigem steinernem Flechtwerk und Tierdarstellungen unterstreichen den altertümlichen Raumeindruck. Dazu tragen auch einige besonders kostbare historische Kunstwerke bei: das Steinrelief eines thronenden Christus mit Schlüssel und Buch aus dem 11./12. Jh. als Zeichen der Bedeutung des St. Petri Doms als mittelalterliche Missionskirche, das große Bronzetaufbecken auf vier Löwenreitern aus dem 13. Jh. und die graziöse kleine Orgel des Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann aus dem 18. Jh. In der Westkrypta feiert die Domgemeinde ihre Taufgottesdienste.

 
St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner

Das Dom-Museum - Ökumenisches Museum für bremische Kirchengeschichte

Das Dom-Museum im ev.-lutherischen St. Petri Dom wurde 1987 zur Aufnahme von Funden aus den mittelalterlichen Bischofsgräbern gegründet, die in den 70-er Jahren bei einer archäologischen Grabung im Mittelschiff des Doms entdeckt worden waren. Außer diesen Grabbeigaben und Textilien des 11. bis 15. Jahrhunderts zeigt das Dom-Museum kirchliche Kunstgegenstände (Altargerät, Gemälde, Plastik, hist. Wandmalereien), als ökumenisches Museum auch Leihgaben der bremischen katholischen Kirche und bietet einen Überblick über die Geschichte des Doms und des Erzbistums Bremen.

St. Petri Domgemeinde


Ausführliche Informationen zu dem St. Petri Dom, zur Domgemeinde, zum Programm der Dom-Musik, zum Bibelgarten, zum Dommuseum und zu Dom-Führungen finden Sie unter:

St. Petri Dom
Sandstraße 10 - 12
28195 Bremen
Tel.: 0421 / 36 50 40

 

Abbildungsverzeichnis:

Vorschaubild: St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner
Titelbild: Westkrypta, St.Petri Domgemeinde, Foto: Brita Friedrichs
St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner
Südfenster; St.Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner
Chorwange; St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner
Epitaph; St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner
Ostfenster; St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner
Dom-Kanzel; St. Petri Domgemeinde, Foto: Hermann Eibach
Gedenktafel; St. Petri Domgemeinde, Foto: Brita Friedrichs
Ostkrypta; St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner
Westkrypta, St. Petri Domgemeinde, Foto: Brita Friedrichs
St. Petri Domgemeinde, Foto: Erich Greiner