Jagdschloss Clemenswerth

Das Jagdschloss Clemenswerth im Emsland, erbaut in der spätbarocken Epoche des Rokoko zwischen 1737 und 1749, gilt als eine der eigenartigsten Schlossanlagen in Deutschland. Die großen fürstlichen Waldungen in Europa, von Frankreich bis Österreich-Ungarn und Polen, erhielten im 17. und 18. Jahrhundert ein neues, landschaftsgestalterisches Element. Zur Pflege der Forsten und besseren Organisation höfischer Jagdfeste wurden radiale Schneisensysteme, sternförmige Alleeformationen, angelegt, die in Deutschland als Jagdsterne bekannt wurden. Ihre besondere Ausformung zu herrlichen Jagdsternschlössern des Spätbarock fanden sie zwischen 1720 und 1765.

Architektonische Sonderformen im Schlossbau wie die des Pavillon-Ensembles vereinigten sich mit dem barocken Zentralbaugedanken. Schloss Clemenswerth ist in seiner Architektur ein europäisches Paradebeispiel für diesen Typ eines ländlichen Jagd- und Lustschlosses und heute das einzige in Deutschland und Europa, das sich in seiner originalen Bausubstanz erhalten hat. Aus diesem Grunde wurde es als besonders schützenswertes Bau- und Kulturdenkmal in die Liste der nationalen Denkmäler der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen.

 
Kurfürst Clemens August (SC)

Kurfürst Clemens August

Erbaut im Zentrum eines sternförmigen Alleesystems von acht Waldschneisen, zählt das Schloss mit seinem beherrschenden Zentralbau, den acht umgebenden Kavalier-Pavillons und dem Marstall am Eingang zu einem 42 ha großen Waldpark zu den reizvollsten Schlossanlagen des deutschen Rokoko. Es wurde erbaut von einem der leidenschaftlichsten Jäger des 18. Jahrhunderts: Dieses war der berühmte Kurfürst Clemens August (1700-1761) aus dem Hause Wittelsbach, der als Herzog in Bayern in damals einmaliger politischer Karriere nicht nur Kurfürst und Erzbischof von Köln wurde, sondern auch geistlicher und weltlicher Landesherr in den Fürstbistümern Paderborn und Münster, Hildesheim und Osnabrück war. Mit 32 Jahren ließ er sich zum Hochmeister des Deutschen Ordens wählen. Nach vierzigjähriger Regierungszeit hinterließ der „Sonnenfürst vom Rhein" - wie er oft genannt wird - in seinen ehemaligen Territorien mehr als ein halbes Dutzend von damals wie heute viel bewunderten Jagdschlössern.

 
Johann Conrad Schlaun (SC)

Johann Conrad Schlaun

Die wildreiche Landschaft des Hümmlings im nördlichen Emsland erwählte er sich schon 1720 zu seinem fürstlichen Jagdrevier, in dem er bei dem Ort Sögel ab 1737 sein Jagdsternschloss Clemenswerth - die „Insel des Clemens" - errichten ließ. Baumeister war der bekannte münstersche Architekt, Ingenieur und Artillerie-Oberst Johann Conrad Schlaun (1695-1773). Seinem künstlerischen und organisatorischen Talent verdankt Clemenswerth seine Entstehung. Er ist der Erfinder des „kleinsten Treppenhauses" im deutschen Spätbarock, das mit seinem Charme schon Zeitgenossen entzückte und heutige Besucher zu Bewunderern Schlaunscher Baukunst werden lässt. Für die Innendekorationen wurden der Bonner Hofarchitekt Michel Léveilly und Franz Joseph Roth, der Baumeister des Deutschen Ordens aus Mergentheim, herangezogen. Die herrlichen Rokoko-Stuckaturen gehen auf die Brüder Carlo und Domenico Castelli und auf Carlo Pietro Morsegno, oberitalienische Meister ihres Fachs, zurück. Die viel bewunderten, filigran gearbeiteten Sandsteinreliefs des Zentralpavillons mit barocken Jagddarstellungen schuf der Bildhauer Joh. Christoph Manskirch aus Münster.

 
Schlosskapelle (SC)

Schlosskapelle und Klostergarten

Neben dem Zentralpavillon für eine „bequemliche Wohnung" und als Repräsentationsbereich des Kurfürsten und den Pavillons für die Jagdgäste entstand hier die „nördlichste Rokoko-Kapelle Bayerns": die Clemenswerther Schlosskapelle. In ihr halten seit 1741 Patres des Kapuzinerordens die Heiligen Messen. Den Klostergarten mit seinen 270 Jahre alten Taxushecken zählen Kenner zu den schönsten Barockgärten in Norddeutschland.

 
Zentralpavillon (SC)

Emslandmuseum Schloss Clemenswerth

Heute im Besitz des Landkreises Emsland, wurde Schloss Clemenswerth über viele Jahre in allen seinen Gebäudeteilen aufs sorgfältigste restauriert. Seit über 30 Jahren beherbergt es das Emslandmuseum Schloss Clemenswerth, ein überregionales Museum zur Kunst- und Kulturgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts mit dem Schwerpunkt der höfischen Kultur unter dem Kurfürsten Clemens August mit Sammlungen von Meißener Porzellan, Straßburger Fayencen und Zeugnissen barocker Glaskunst. Weitere Sammlungen sind der barocken Jagd - Parforcejagd und Falknerei -, der Rolle des Deutschen Ordens im 18. Jahrhundert und der weiteren Nutzung des Schlosses im 19. Jh. gewidmet.

 
Keramikkeller (SC)

Ausstellungszentrum Schloss Clemenswerth

In über 130 Ausstellungen profilierte sich die Ausstellungsreihe FORUM FORM CLEMENSWERTH zu einer wichtigen Dokumentationsstätte der zeitgenössischen deutschen und europäischen Keramik, die im „Keramikkeller" ihre Dauerpräsentation gefunden hat (mit wechselnden thematischen Schwerpunkten). Gleichzeitig ist das FORUM FORM CLEMENSWERTH auch Heimstatt realistischer Maler, Graphiker und Zeichner in Deutschland. Während der Winterzeit stattfindende Kammerkonzerte runden das kulturelle Angebot von Schloss Clemenswerth ab.

Eckhard Wagner

Emslandmuseum Schloss Clemenswerth
49751 Sögel
Tel.: 05952/932325
Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober (Winterzeit geschlossen)
Di - So 10.00 - 18.00 Uhr