Kulturtouristisches Ziel an der Niederländischen Grenze

Schon von weitem ragen ihre hohen Türme aus der Ebene auf - die Burg Bentheim, nördlichste Höhenburg des europäischen Festlandes, gelegen auf einem schroff aufragenden Felsrücken, dem westlichsten Ausläufer des Teutoburger Waldes.
Die Felslandschaft des Bentheimer Berges soll schon der römische Feldherr Drusus bei seinen Heerzügen besucht haben - so berichten es jedenfalls die Sage vom Drususfelsen und eine alte Inschrift im Felsen am Nordhang der Burg.

 
Aufgang zur Burg (AE)

Tore

Zwei Torhäuser aus der Barockzeit erlauben den Eintritt hinter die mächtigen Mauern der Burg, die einst wohl jeden Angreifer verzweifeln ließen. Am Aufgang zur oberen Burg liegt die gotische Katharinenkirche, die mittelalterliche Schlosskapelle. Sie dient heute als Ausstellungsraum und enthält Zeugnisse aus der älteren Geschichte von Burg und Herrschaft Bentheim. Seit der Zeit um 1100 ist die Burg im Besitz der Grafen von Bentheim, die noch heute hier ansässig sind. Sie traten im 16. Jahrhundert zum Calvinismus über und waren damals die mächtigsten weltlichen Herrscher im deutsch-niederländischen Grenzraum. Im 19. Jahrhundert wurde die Familie in den Fürstenstand erhoben.

 
Der Pulverturm (AE)

Türme

Zwei mächtige Türme bilden das Wahrzeichen der Burg. Der quadratische, hohe Pulverturm wurde in der Zeit um 1500 als freistehender Bergfried errichtet. Er enthält auch das tief in den Fels eingehauene Burgverlies. In dem runden, aus der Burgmauer vortretenden Batterieturm hatte die Burgmannschaft einst ihre Kanonen aufgebaut. Auch unter diesem Turm sind Kellergewölbe und Gänge tief in den Fels eingegraben. Beide Gebäude sind für die Besucher der Burg zugänglich, und vom Pulverturm aus hat man eine einzigartige Fernsicht bis weit hinein in die Niederlande und in das Münsterland.

 
Wohnhaus im Stil der Neugotik - die Kronenburg

Eine echte Prinzessin

Die jüngere Geschichte der Burg kann man in der „Kronenburg" auf der Westseite der Burganlage nachvollziehen. Der Architekt Franz Anton Nordhoff aus Münster errichtete sie zwischen 1883 und 1912 im Stil der englischen Neugotik als repräsentativen Wohnsitz für die fürstliche Familie. Die prunkvollen Wohnräume im Stil des Historismus beherbergen heute das Schlossmuseum mit Rittersaal, Arbeitszimmer, Bibliothek, Jagdzimmer und dem ehemaligem Schlafzimmer einer Prinzessin. Ein Ausstellungssaal im Obergeschoss zeigt zahlreiche historische Dokumente und Kostbarkeiten aus dem Besitz der Familie von Bentheim und gewährt so Einblick in das Leben auf der Burg in früheren Jahrhunderten.

 
Burgmauer aus Sandstein

Steinreich

Gebaut ist die Burg aus unzähligen Steinblöcken aus Bentheimer Sandstein, der bis heute in der näheren Umgebung abgebaut wird. Auf einem Sandstein-Lehrpfad an den alten Steinkuhlen im Bentheimer Ortsteil Gildehaus kann man die Geschichte des Sandsteinabbaus nachvollziehen. Bentheimer Steine wurden in früheren Jahrhunderten hauptsächlich in die Niederlande exportiert und finden sich dort an zahlreichen Baudenkmälern. Die Steinbrüche gehörten dem Burgherrn, und der ließ sich seine Abbaurechte von den Steinhauern auch in Sandsteinblöcken für seine Burg bezahlen. Die Geschichte des Bentheimer Sandsteins zeigt das Sandsteinmuseum am Fuße der Burg.

 
Torhaus mit Schlosscafe´ (AE)

Und nach der Burgbesichtigung ...

Im Anschluss an die Besichtigung der weitläufigen Burganlage kann man sich in einem Café im unteren Torhaus eine Pause gönnen. Anschließend lockt der interessante Ort Bentheim zu einem kleinen Rundgang. Die Straßen und Stiegen sind an den steilen Südhang des Bentheimer Berges gebaut. Gemeinsam mit den Bürgerhäusern bilden die verwinkelten Gassen ein romantisches Gesamtbild.

 
Reformierte Kirche (AE)

Genießen Sie den einmaligen Blick

Kunsthistorisch interessant sind die reformierte Kirche am südlichen Berghang mit ihrer calvinistischen Innenausstellung sowie die katholische Kirche mit ihrer barocken Ausstattung auf der Nordseite des Berges. Etwas außerhalb des Ortes liegt der schon im 18. Jahrhundert gegründete Kurbetrieb von Bad Bentheim mit seinen Parkanlagen, seinen historischen und modernen Kurgebäuden. Wer jetzt noch Zeit und Lust hat, der sollte auf jeden Fall noch einen Abstecher in den Nachbarort Gildehaus unternehmen. Von dort aus hat man einen einzigartigen Blick auf die Burg Bentheim, den schon im 17. Jahrhundert berühmte niederländische Maler in ihren Zeichnungen und Gemälden festhielten. Und die ebenfalls auf einer Bergkuppe errichtete Windmühle ist als Museumsmühle immer einen Besuch wert.

Dr. Andreas Eiynck

Burg Bentheim
Schloss
48455 Bad Bentheim
Tel.: 05922/5011

Öffnungszeiten:
1. März bis 1. November: 10 - 18 Uhr
2. November bis Ende Februar: 10 - 17 Uhr