Lingen in den Niederlanden

Zijn Excell. Commanderende over t'ghantsche Legher, heeft hier die Soldaten, onder t'gebiet des Oversten Mureu, die Stadt doen ondergraven ende bestormen." Die Meldung des Tages auf Holländisch: Moritz von Oranien belagert 1597 die Stadt Lingen und nimmt sie ein. Seit die Grafschaft Lingen um 1550 als selbständiges Herrschaftsgebiet auftrat, hatte sie unter niederländischem Einfluss gestanden. Als die wohlhabenden Generalstaaten dann dem Habsburger Kaiser ihre Souveränität abtrotzten, war auch die Festung an der Ems davon ganz unmittelbar betroffen.

 
Fensterscheibe mit dem Wappen Danckelmann (EL)

Symbole der Herrschertugenden

1605 zogen spanische Truppen durch die Tore der Stadt, und wieder regierte der Kaiser für mehrere Jahrzehnte. Aus den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ging Lingen dann erneut als niederländischer Besitz hervor, und es blieb unter der Krone von Nassau-Oranien bis über das Ende dieses Jahrhunderts hinaus.

 
Sylvester Danckelmann 1607-1697 (EL)

Der Aufstieg der Familie Danckelman(n)

Wo so viel Streit ist, sind Orte der Ruhe Mangelware. Auch die Familie Danckelman wurde von den Zeitläufen über die Grenzen getrieben. So fand Johann Danckelman (1563-1641) in den Niederlanden Aufnahme, nachdem er wegen seines calvinistischen Bekenntnisses durch den Fürstbischof von Münster aus Rheine verwiesen wurde. Die Söhne wiederum studierten in Steinfurt. Und als in Lingen die Herrschaft der Oranier begann, wurde einer von ihnen dort zum Geografen und Richter berufen. Das von Sylvester Danckelman 1646 in Lingen im Stil eines Adelshofes errichtete Palais markierte daher auch das Ende einer Odyssee und den Beginn einer Karriere.

 
Sonnenuhr mit dem Wappen der Familie Danckelmann vor dem Kutscherhaus (EL)

Mit der Karosse ins Kutscherhaus

Waren die Herrschaften ausgestiegen, wurde auf der Diele ausgespannt. Von Danckelmanns hatten sich 1734 ein großzügig gestaltetes Kutscherhaus mit einer weitläufigen Diele erbaut. Die Familie galt etwas im preußischen Staat, dessen Fahne seit 1702 auch über Lingen wehte. Immerhin war der in Lingen geborene Eberhard von Danckelmann (1643-1722) zum Premierminister Friedrichs III. aufgestiegen, und auch seine sechs Brüder bekleideten hohe Positionen in der preußischen Verwaltung. In Lingen residierte einer von ihnen als preußischer Rat: Silvester Diedrich von Danckelmann, mit dessen Tod 1738 die Lingener Linie der Danckelmanns erlosch.

Dr. Karl-Heinz Ziessow