Moin Moin

Diese Begrüßungsformel ist in Norddeutschland überall und oft zu hören. „Moin“ ist die Abkürzung des Niederdeutschen „moin dag“ und bedeutet „schönen Tag“. Gemeint ist also „guten Tag“, und nicht wie in anderen Regionen Deutschlands fälschlicherweise oft angenommen wird, „guten Morgen“. Hier zu Lande benutzt man diesen Gruß also zu jeder Tageszeit und nicht nur am Vormittag.
Niederdeutsch, oder auch Plattdeutsch genannt, ist ein bekanntes Kennzeichen für Norddeutschland und für viele Menschen die Zweitsprache neben Hochdeutsch. In vielen Regionen Niedersachsens und Norddeutschlands ist Plattdeutsch Teil des alltäglichen Sprachgebrauchs. Es existieren verschiedene regionale Dialekte (Mundarten) dieser Sprache, und es ist nicht bekannt, wie viele Menschen heute noch aktiv Plattdeutsch sprechen.

 
Häusergruppe in Ocholt (HTK)

Sprachgeschichte

Früher einmal war Plattdeutsch die einzige gesprochene Sprache in Norddeutschland. Doch dies ist lange her. Erstmals erwähnt wurde die niederdeutsche Sprache bereits 150 n. Chr., und seitdem hat sie sich fortlaufend entwickelt und verändert. Ihre Blütezeit hatte die niederdeutsche Sprache im 14. und 15. Jahrhundert während der einflussreichen Zeit der Norddeutschen Hanse. Damals war Niederdeutsch die führende Sprache des hanseatischen Kultur- und Wirtschaftraumes.

 
Birken am Wegesrand (HTK)

Um 1600 drang dann die hochdeutsche Sprache mehr und mehr aus dem Süden in den Norden und löste Niederdeutsch zunächst nur als Schriftsprache ab. Aber schon bald hielt das Hochdeutsche auch Einzug in sämtliche Lebensbereiche der Bevölkerung. Zunächst fingen die höheren Schichten an, nebenbei auch Hochdeutsch zu sprechen, doch schon bald taten es auch die „kleinen Leute“. Niederdeutsch galt als eine minderwertige Sprache und wurde nur noch im privaten Bereich, wie in der Familie oder Nachbarschaft, gesprochen. Erst während der Romantik im 19. Jahrhundert besann man sich zurück auf die Kultur des deutschen Volkes. Man empfand den Verlust der niederdeutschen Sprache als einen Verlust der norddeutschen Eigenart, und so wurde wieder verstärkt Plattdeutsch gesprochen. Besonders Schriftsteller setzten sich dafür ein, dass Niederdeutsch wieder zu einer Literatursprache wurde.

 
Niedersächsischer Bauernhof in Sage bei Großenkneten (HTK)

Plattdeutsch im Alltag

Niederdeutsch wurde 1999 im Rahmen der Europäischen Sprachencharta als „Regionalsprache“ anerkannt und unterliegt besonderer Förderung durch das Land Niedersachsen. Trotz zahlreicher Bemühungen, die plattdeutsche Sprache im norddeutschen Raum zu fördern und zu erhalten, nimmt die Anzahl der Niederdeutsch-Sprecher immer mehr ab. Besonders an junge Leute wird die Sprache heute nicht mehr weitergegeben. Tatsache allerdings ist, dass viel mehr Menschen Plattdeutsch verstehen als sprechen können. Der Gebrauch von Plattdeutsch ist auf dem Lande verbreiteter als in der Stadt, und im privaten Bereich wird stärker Plattdeutsch gesprochen als in der Öffentlichkeit.

 
Schafstall aus der Ahlhorner Heide (HTK)

Plattdeutsch in den Medien

Heute existiert eine Reihe von Büchern auf Plattdeutsch, außerdem gibt es Radio- und Fernsehsendungen auf Platt, und es werden einige Zeitschriften herausgegeben. Neben den Medien wird auch auf andere Weise versucht, die niederdeutsche Sprache zu erhalten. Besonders plattdeutsche Vereine bemühen sich, eine lebendige, plattdeutsche Kultur aufrecht zu erhalten. Es gibt zahlreiche Musik- und Theatergruppen, die die plattdeutsche Sprache benutzen. Populär wurde vor allen durch das Fernsehen das Hamburger Ohnesorg-Theater deren Stücke „op platt“ für das Pantoffelkino-Publikum ins Hochdeutsche übersetzt werden mussten. Teilweise wird die Sprache in Schulen gelehrt und auch einige Universitäten im Norddeutschen Raum haben entsprechende Lehrangebote. Doch reicht dies nicht aus, um einige Mundarten des Niederdeutschen in Niedersachsen vor dem Aussterben zu bewahren.

Wiebke Holzapfel