Ein Marienwallfahrtsort hoch im Norden

Der Wallfahrtsort Bethen gehört zu den nördlichsten Marienwallfahrtsorten Europas. Jährlich pilgern etwa 100 000 Gläubige hierher. Die Zahl der Wallfahrten war über die Jahrhunderte sehr unterschiedlich. Ab 1914 nahmen sie jedoch bedeutend zu, so dass ergänzend zur Marienkapelle 1922 der Grundstein zu einer Wallfahrtskirche gelegt wurde, die 1978 von Papst Paul VI zur „Basilika Minor“ erhoben wurde. Zentraler Anziehungspunkt ist das Bethener Gnadenbild. Es ist eine Pietà welche Maria darstellt die ihren sterbenden Sohn Jesus in den Armen hält. Die Figur ist 111 cm hoch und aus Eichenholz geschnitzt. Als sie 1972 restauriert wurde entdeckte man Farbspuren die auf eine Entstehungszeit zwischen 1380 und 1400 hinweisen.

 
Gnadenbild (CH)

Das Wunder von Bethen

Der Legende nach sahen Landarbeiter dieses Marienbild einst stromaufwärts auf der Soeste treiben. Sie fischten es heraus um es in die Kapelle des nahe gelegenen Adelshauses zu bringen. Als der Wagen mit dem Gnadenbild in Bethen ankam, sträubten sich die Pferde ihren Weg fortzusetzen. Trotz aller Bemühungen gelang es nicht sie zum Weitergehen zu bewegen. Die Menschen glaubten an ein Wunder und ließen an dieser Stelle eine Kapelle für die Marienstatue erbauen.

 
Gnadenbild (CH)

Eine Kapelle für ein Siechenhaus

Sicher ist heute dass es seit dem frühen Mittelalter Siechenhäuser entlang wichtiger Handelsstraßen gab. So ein Siechenhaus wird urkundlich in Bethen erstmals für das Jahr 1492 erwähnt. In den Siechenhäusern wurden Menschen mit ansteckenden Krankheiten wie z.B. Leprose untergebracht. Oftmals errichtete man eine eigene Kapelle für sie, da sie auch vom Gottesdienst in der Stadt ausgeschlossen waren. So wird auch der Ursprung der Gnadenkapelle in Bethen in Zusammenhang mit dem damals bestehenden Siechenhaus vermutet.

 
Hl. Antonius (GRHO)

Der Wallfahrtsort im Laufe der Zeit

Eine erste Wallfahrt nach Bethen wird bereits 1448 urkundlich erwähnt. Mit der Reformation der Region ab 1544 ließen die Pilgerreisen jedoch immer mehr nach. Auch die Gegenreformation 1613 ließ die alten Bräuche auf Grund des dreißigjährigen Krieges und der Zerstörung der Gnadenkapelle nicht plötzlich wieder aufleben. Erst der Bau einer neuen Kapelle durch den Drost des Amtes Cloppenburg, Carl Othmar von Grothaus und die Einführung der Mariä-Geburts Prozession führten die Pilger schließlich wieder nach Bethen. Im 17. und 18. Jahrhundert erlebte die Wallfahrt nach Bethen dann ihre Blütezeit. Im späten Zeitalter der Aufklärung ab 1750 nahmen die Pilgerströme dann langsam ab und gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen fast nur noch Gläubige aus den umliegenden Gemeinden nach Bethen. Weitgereiste Pilger sah man nur noch äußerst selten. Mit Einsetzen des ersten Weltkrieges strömten Bittsuchende dann erneut nach Bethen. Sie kamen so zahlreich dass 1915 an der Nordwand der Gnadenkapelle ein Altar errichtet wurde um die Heilige Messe unter freiem Himmel feiern zu können. Später wurde aus diesem Altar die Antoniuskapelle.

 
Wallfahrtskirche (CH)

Ein Dach für die zahlreichen Pilger

Auf Grund der immer größer werdenden Pilgerströme wurde 1922 dann auch der Bau der Wallfahrtskirche begonnen. Sie sollte zugleich Gedächtniskirche für die Gefallenen sein. Der münstersche Architekt und Dombaumeister W. Sunder-Ploßmann war hiermit beauftragt worden. In Erinnerung an die großem Wallfahrten des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die Kirche im Barockstil gehalten.

 
St. Antonius Kapelle (CH)

Kardinal von Galen in Bethen

1934 erlebte der Wallfahrtsort Bethen einen weiteren Höhepunkt. Im August pilgerte eine Männerwallfahrt mit 25 000 Teilnehmern an diesen Ort. Bischof Clemens August Graf von Galen war ebenfalls dabei. Zum Zeichen seiner Verbundenheit und Treue mit seiner Heimat, dem Oldenburger Münsterland, schenkte er dem Wallfahrtsort seinen Primizkelch.

 
Innenansicht der Basilika (CH)

Widerstand aus Bethen

Als Cloppenburg sich 1936 zum Kreuzkampf erhob erfuhr Bethen erneut besondere Beachtung. Die Nazis hatten einen Erlass herausgegeben nachdem religiöse Zeichen aus allen staatlichen Gebäuden entfernt werden sollten. Um hiergegen zu protestieren pilgerten 3000 Männer nach Bethen. Dort rief der Kaplan Uptmoor in einer kämpferischen Predigt zum Kampf um das Kreuz in den Schulen auf. Dieser wurde durch verschiedene Protestaktionen schließlich tatsächlich gewonnen, so dass der Erlass teilweise zurückgenommen wurde.

 
Innenansicht der Basilika (CH)

Bethen heute

Nach dem zweiten Weltkrieg konnte Bethen im Jahre 1948 sein fünfhundertjähriges Jubiläum feiern und wurde 1961 zur selbstständigen Pfarrgemeinde erhoben. Auch heute pilgern noch zahlreiche Gruppen und Einzelpersonen zur Gnadenkapelle nach Bethen.

Wiebke Grieshop