Burg Dinklage ist die älteste Wasserburg im Raum Weser-Ems. Die Fahne auf dem Türmchen gibt stolz 1597 als Jahreszahl an. Die alten Steine haben eine bewegte Geschichte erlebt.  Heute sind es zwei Perspektiven, die die Burg interessant machen: die historische, die sich mit dem Namen der Familie von Galen verbindet und die aktuelle, die das heutige Leben der benediktinischen Gemeinschaft von 25 Nonnen umfasst.

 
Lothar Klimek: Burg Dinklage, um 1973 (LMO)

Vor gut 60 Jahren überließ Christoph Bernhard Graf von Galen, ein Neffe des seligen Clemens August Kardinal von Galen, einer Gruppe von Benediktinerinnen aus Alexanderdorf  bei Berlin die Burg zur Neugründung eines Klosters. Die Gemeinschaft in Alexanderdorf war selber erst 1934 gegründet worden. Die Unsicherheit, wie es nach dem Krieg in der russischen Besatzungszone weitergehen würde, hatte sie veranlasst, ihre jungen Schwestern vorübergehend in den Westen zu schicken. Schnell wuchs daraus die Idee einer Neugründung, die dann am 08. Juni 1949 verwirklicht werden konnte.

 
Burg Dinklage (NBer)

Das Leben auf Burg Dinklage begann bescheiden. Raum für Raum mußte renoviert und so hergerichtet werden, dass die Schwestern mehr und mehr ihr Leben „unter der Führung des Evangeliums“ (Regula Benedicti, Prolog) entwickeln konnten. Erst Jahrzehnte später konnten die umliegenden Gebäude – die alte Rentei, die Burgkapelle, die Wassermühle und Nebengebäude – erworben werden. Heute bilden sie zusammen mit der neuen Rentei und der Ökonomie eine klösterliche Einheit, die von den Schwestern bewirtschaftet und belebt werden. Die „Burginsel“ ist längst zu einem beliebten Ausflugsziel für die Region geworden. Kleine historische Führungen und Informationen über das Klosterleben, das Verweilen im Klostercafé und –Laden, sowie die Teilnahme an den Gottesdiensten ziehen Menschen unterschiedlichster Interessen an.

 
Burg Dinklage (NBer)

Zentraler Raum des Klosters ist die Klosterkirche, die sog. Scheunenkirche. 1961 wurde die ehemalige Scheune, die in der Burgmitte liegt, von den Schwestern schon ganz im Sinne der nachfolgenden liturgischen Erneuerung umgebaut. 5mal am Tag wird sie vom Lob Gottes erfüllt, das die Schwestern zusammen mit ihren Gästen feiern. 2 bis 3 Stunden am Tag werden die alttestamentlichen Psalmen gesungen, biblische Texte gelesen, in Fürbitten die Anliegen der Welt vor Gott gebracht. Dabei geben die Feste des Kirchenjahres den Feiern das je eigene Gepräge; welches in Farben, Riten, Texten und Gesängen zum Ausdruck kommt.   „Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden“ betonte schon der Hl. Benedikt im 6. Jahrhundert – und das gilt auch heute für die Benediktinerinnen auf Burg Dinklage.

 
Lothar Klimek: Burg Dinklage, um 1973 (LMO)

Ergänzend dazu schreibt er: „sie sind nur dann wirklich Mönche, wenn sie von ihrer Hände Arbeit leben“. Die Hostienbäckerei, eine Handweberei und Paramentik, der Klosterladen mit Ikonen- und Kerzenwerkstatt, das Klostercafé bilden das wirtschaftliche Fundament des Gemeinschaftslebens. Ein Gästehaus für Menschen, die Exerzitien machen möchten, ruhige Tage suchen, und sich Zeit zum Gebet nehmen wollen, bezeugt die bleibende Aktualität des Wortes „dem Kloster gehen die Gäste niemals aus“. Den sozialen Herausforderungen unserer Zeit stellen sich die Schwestern mit der Arbeit in der Martinscheune, eine Herberge für Menschen in Not.

 
Gästehaus Burg Dinklage (NBer)

Die alten Gemäuer von Burg Dinklage sind mit Leben erfüllt. Eine besondere Herausforderung stellt dabei der Erhalt und Unterhalt der Anlage dar. Ein Freundes- und Förderverein, der BurgKreis, unterstützt die Schwestern. Neben privaten Spenden müssen auch öffentliche Mittel hierfür immer wieder angefragt werden.

 
Burg Dinklage (NBer)

Mit der Gründung der „Kardinal von Galen Stiftung – Burg Dinklage“ in 2010 möchten die Schwestern den Geburtsort des sel. Kardinals zu einem Ort der Inspiration, Information und des Gedenkens profilieren.

 

 
Burg Dinklage (NBer)

In der alten Wasserburg mit ihren zwei Gräften und dem Fachwerkgemäuer liegt eine identitätsstiftende Kraft für die Region des Oldenburger Münsterlandes. Die nachhaltige Ausstrahlung der Persönlichkeit des sel. Kardinal von Galen verbindet sich mit der Intensität des heutigen klösterlichen Lebens der 25 Frauen zwischen 27 und 93 Jahren, die unter der Führung des Evangeliums leben und für all jene, die sich nach Lebensfülle sehnen, den Himmel offen halten.

Sr. Ulrike Soegtrop
Burg Dinklage