Am 27. Juli 1259, vor genau 750 Jahren, besiegelte Graf Johann I. von Oldenburg einen Landverkauf zwischen Ritter Dietrich Feyle und dem Zisterzienserkloster in Hude. Sein Name, die Namen der Zeugen, aber auch der Ort der Ausstellung werden in der Urkunde genannt: “... in castro nostro Delmenhorst“. Zum ersten Mal wird die neue Burg Delmenhorst in einem Schriftstück erwähnt.
Im Jahr 2009 feiert die Stadt Delmenhorst das 750. Jubiläum der Burg Delmenhorst mit vielen Veranstaltungen. Die verschwundene Burg, die mittelalterliche Geschichte der Stadt Delmenhorst und das Leben zu Zeiten der Burggründung und -nutzung im Mittelalter sollen wieder aufleben und den Bewohnern der Stadt und des Umlandes wieder ins Bewusstsein rücken.

 
Modell der Burg Delmenhorst (NordDel)

Eine kleine Geschichte der Burg Delmenhorst

Mit „De Horst“, einem kleinen Hof im Überschwemmungsgebiet der Delme, fing im Mittelalter alles an. Vermutlich noch vor dem Jahr 1235 erwarb diesen Hof der Oldenburger Graf Otto I. Denn dieser Platz war der ideale Standort für eine Burg – von Wasser und Sümpfen umgeben, gut gegen Angreifer zu verteidigen. Von hier aus konnten der Herr der Burg und seine Mannen die Bewohner im ganzen Umland kontrollieren und beherrschen. Ab 1257, ab dem Einzug des Grafen Johann I. wird die Burg zum Zentrum der Macht in der Region. Im Laufe vieler Jahre sollte eine wehrhafte Wasserburg mit Gebäuden und Festungsmauern aus Stein entstehen – berühmt und gefürchtet im ganzen norddeutschen Raum. Von der Delmenhorster Feste aus beherrschte das Geschlecht der Oldenburger Grafen im 13. Jahrhundert das gesamte Umland: von Ganderkesee über Stuhr, Altenesch und Huntorf bis nach Hude.

 
Tag des offenen Denkmals (NordDel)

Im 13. Jahrhundert sagte sich der Delmenhorster Familienzweig von den Vettern in Oldenburg los und begründete eine neue Dynastie der Delmenhorster Grafen. Graf Otto II., erster Stammhalter der neuen Linie, war ein furchtloser Krieger, zugleich aber auch ein Förderer der schönen Künste. Er holte einen der bekanntesten Minnesänger seiner Zeit, den Hofdichter Heinrich von Meißen, genannt „Frauenlob“, an seinen Hof. Die Lobesverse auf Graf Otto II. sind bis heute überliefert. Zwiespältigen Ruhm bescherte ein Nachkomme Otto II. einige Generationen später der Burg Delmenhorst. Graf Gerd, der Mutige, machte aus der Graftenburg an der Delme eine Art Raubritterburg. Den Hanse-Kaufleuten, die auf dem Weg von Flandern in den hohen Norden durch Delmenhorst kamen, nahm er ihre Waren ab. Adlige und Hochgestellte nahm er gefangen. Nur gegen Lösegeld gab er sie wieder frei. Dazu beherrschte er das Kriegshandwerk wie kaum ein zweiter. Diesem „Stratenschinder“ und Piraten auf hoher See konnten seine Feinde nur mit vereinten Kräften und durch Aushungern der Burgbesatzung das Handwerk legen. 1482 fiel die Delmenhorster Burg so in die Hände des Bischofs von Münster. 65 lange Jahre sollte sie dort bleiben.

 
Innenaufnahme im Stadtmuseum Delmenhorst (NordDel)

Nie hatten die Oldenburger Grafen ihren „Familienbesitz“ in Delmenhorst aufgegeben. Für sie war der Bischof von Münster unrechtmäßiger Besitzer der Burg. 1547 endlich gelang Anton I., einem Enkel des Raubritters Gerd, die Rückeroberung. Mit kleinen Booten und Leitern setzten seine Männer eines Nachts im April über die beiden Graften, überwanden die Wälle und eroberten die Festung im Sturm. Der Münsteraner Bischof verklagte darauf hin die „neuen“ Herren von Delmenhorst vor dem Reichsgerichtshof. Das Urteil erfolgte 135 Jahre später: Die Burg blieb endgültig in Delmenhorster, bzw. Oldenburger Hand.

 
Die Burg Delmenhorst (NordDel)

War der Rückeroberer Anton I. ein Kriegsherr, so galt sein Sohn, Anton II., als Feingeist. Die inzwischen wieder intakte Burg übernahm der Sohn 1577 vom Vater. Er baute sie zu einem der schönsten und wohl bedeutendsten Weserrenaissance-Schlösser der damaligen Zeit aus. Dazu ließ er einen Lustgarten anlegen und eine Wasserleitung von Almsloh direkt auf den Schlosshof erbauen. Im Jahre 1600 feierte er – schon 40-jährig – seine Vermählung mit der Herzogin Sibylla Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg. Der letzte Delmenhorster Graf und Sohn von Anton II., Christian IX., fiel 1647 vom Pferd und starb an den Folgen des Unfalls. Da er keine Erben hatte, fielen Burg und Herrschaft Delmenhorst zurück an die Verwandtschaft in Oldenburg. Der Oldenburger Graf Anton Günther trug sich nun mit dem Gedanken, das Delmenhorster Prachtschloss wieder zu einer wehrhaften Feste auszubauen. Aber noch, ehe er seine Pläne umsetzen konnte, starb er 1667 ebenfalls ohne Nachkommen.

 
Graf Gerd (NordDel)

Sein Erbe traten die Verwandten im dänischen Königshaus an. So ging die Grafschaft Oldenburg-Delmenhorst ab 1667 an die Krone im fernen Kopenhagen. Nur kurz überlegte der dänische König Christian IV., die Pläne zum Ausbau der Festung in Delmenhorst weiterzuführen. Er ließ Zeichnungen anfertigen und Kosten berechnen. Während dessen verfiel das Schloss immer mehr. Aber statt zu investieren, entschied der dänische König, Geld zu verdienen. Er verpfändete die Grafschaft Delmenhorst an das Kurfürstentum Hannover. Das Schloss wurde auf Abbruch verkauft, das einst so prächtige Bauwerk ab 1711 nach und nach abgetragen. Zuletzt fiel 1787 der blaue Turm. Seine Steine wurden für den Bau der neuen Stadtkirche verwendet. Ende des 19. Jahrhunderts benötigte die Stadt eine Krankenanstalt. Den leeren Platz auf der Burginsel füllte nun das Peter-Elisabeth-Krankenhaus, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur gewerblichen Berufsschule umfunktioniert wurde. 1972 hatte auch dieses Gebäude ausgedient und wurde spurlos beseitigt. Die Burginsel ist heute ein idyllischer Park. Die Reste der Burg liegen dort in vier Meter Tiefe als Bodendenkmal begraben, einige Spolien können im Stadtmuseum Delmenhorst auf der Nordwolle besichtigt werden.

Nordwolle Delmenhorst
Nordwestdeutsches Museum für IndustrieKultur

Abt. Stadtmuseum
Am Turbinenhaus 10-12
27749 Delmenhorst
Tel. 04221 / 29858-20