Die Nordwolle Delmenhorst - Nordwestdeutsches Museum für Industriekultur

Inmitten einer der größten, einheitlich gestalteten Industrieanlagen Europas, des ehemaligen Fabrikgeländes der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei (NW&K), auf der Nordwolle in Delmenhorst befindet sich das Nordwestdeutsche Museum für IndustrieKultur. Innerhalb des heute denkmalgeschützten früheren Industriekomplexes präsentiert das Museum auf rund 3000 qm Ausstellungsfläche in mehreren historischen und modernen Gebäuden Rundgänge zur Stadt- und Industriegeschichte. Das Außengelände der Nordwolle – eine großflächige ehemalige Stadt in der Stadt – lädt mit seiner erhaltenen Bausubstanz zu weiteren Erkundungen ein, die von hier mit digitaler Hilfe (MORITZ – Auf den Spuren der Industriegeschichte) durch den Stadtnorden fortgesetzt werden können. Als Ankerpunkt auf der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH) weisen Museum und Gelände auf ihre überregionale Einordnung und Bedeutung hin.

 
Sheddachbereich des Museums (NordDel)

Museumsrundgang durch die Geschichte der Nordwolle

Dieser Rundgang führt durch beispielhafte Ausstellungsbereiche in den denkmalgeschützten Gebäudeteilen des Turbinenhauses mit Halle und Keller, den früheren Werkstattbereich und einen anliegenden Shed-Riegel. Von 1988 an wurde das 1902 vom Werksarchitekten Heinrich Deetjen errichtete Turbinenhaus saniert - die frühere Kraftzentrale der Fabrik bildet heute das Herzstück des Museums. Besonders attraktiv ist der Außenrundgang zur Erkundung des früher fast 25 Hektar großen Fabrikgeländes. Die Besucher können mehrere Stationen erwandern: An ausgewählten Standorten werden anhand von Bild- und Infotafeln die wichtigsten Bereiche und Baulichkeiten der Fabrikanlage im Zusammenhang der heutigen Nutzung erklärt.

 
Stadtmuseum Delmenhorst (NordDel)

Museumsrundgang durch die Stadt- und Industriegeschichte

Dieser Rundgang im Gebäude der ehemaligen Lichtstation ergänzt die Entwicklung der Nordwolle um zusätzliche und weitergehende Aspekte der Delmenhorster Geschichte: Die vorindustrielle Zeit, aber auch die Jute- und Linoleumindustrie werden hier ebenso thematisiert wie beispielsweise das Leben der zugewanderten Arbeitskräfte, welche die Stadtkultur und -entwicklung maßgeblich beeinflussten. Beide Rundgänge ergänzen sich gegenseitig - erst dadurch vermittelt sich für den Besucher ein Gesamtbild aller Facetten der Stadt Delmenhorst. Die Lichtstation, 1884 erbaut, war das erste Maschinenhaus der Nordwolle. Bis zum Bau des neuen Maschinenhauses wurde von hier aus die Transmission über eine große Dampfmaschine betrieben. Ab 1905 diente das Gebäude dann als Lichtstation, in der Strom für die Versorgung von Betrieb und Werkswohnungen erzeugt wurde.

 
Innenaufnahme im Stadtmuseum Delmenhorst (NordDel)

Der Rundgang ist in fünf Abteilungen gegliedert. In der Erdgeschosshalle werden anhand zahlreicher Exponate „Glanz und Niedergang von Burg und Stadt Delmenhorst 1259-1712“ dargestellt. Ein Videokurzfilm der Ufa-Wochenschau von 1936 zeigt eine Aufführung auf der NS-Tingstätte „Stedingsehre“ in Bookholzberg.

 
Der 'Anker-Linoleumpavillon'(NordDel)

Auf dem Galeriegeschoss der Lichtstation wird der Besucher „Von der Ackerbürgerstadt zur Industriestadt“ in das 19. Jahrhundert geleitet; Videofilme informieren über das für die Entwicklung Delmenhorsts bedeutsame Zigarrenmacherhandwerk und die Jutesackproduktion. Die dritte Abteilung „ Delmenhorster Moderne – Werkbundstadt Delmenhorst 1903 -1934“ stellt Delmenhorst als „Stadt erster Klasse“ unter Bürgermeister Erich Koch-Weser vor; eine Zeit, in der die Stadt auch überregional von großer Bedeutung war. Eindrucksvoll ist hier besonders ein maßstabsgetreuer Nachbau des Anker-Linoleumpavillons des Architekten Peter Behrens, der 1905 auf der Oldenburg „Landes-, Industrie- und Gewerbeausstellung“ ausgestellt worden war.

 
Der 'Vertriebenen-Handwagen'(NordDel)

Auch die Migration, die das Delmenhorster Stadtleben seit 1830 bis zum heutigen Tag wie in kaum einer anderen Stadt beeinflusst, wird auf diesem Rundgang thematisiert: Der Ausstellungsbereich „Delmenhorst als Brennpunkt von Wanderungsbewegungen im Nordwesten 1850 - 2000“ berichtet ebenso über die früheren Auswanderer, die im „Neuen Land“ ihr Glück suchten, wie über die Fremdarbeiter der Nordwolle, die Gastarbeiter der 60er Jahre und die Spätaussiedler, die in Delmenhorst ihre Heimat fanden und finden.

 
Der 'Kiosk' im Museum (NordDel)

Der Nachbau eines für Delmenhorst typischen Kiosks der 50er Jahre beherrscht die letzte Abteilung („Von der Nachkriegszeit ins nächste Jahrtausend“), in der verschiedene Exponate die Zeit von 1945 bis 1950 symbolhaft darstellen. Das Modell des modernen Hans-Wissenschaftskollegs am Delmenhorster Lehmkuhlenbusch repräsentiert die modernen Forschungen unserer Zeit.

 
Logo der Nordwolle Delmenhorst-Nordwestdeutsches Museum für Industriekultur (NordDel)

Industrielles Erbe und Vermächtnis

An dem Ort, an dem früher neben der Entwicklung einer Fabrik und eines Konzerns auch die Geschichte der Stadt und ihrer Einwohner geschrieben wurde, hält heute das Museum die Erinnerung an Maschinenwelten und Alltagsleben lebendig. Dank seiner Sammlungen, Forschungen, Präsentation und Vermittlungen lässt sich nicht nur die frühere Industriestadt Delmenhorst verstehen, sondern weit darüber hinaus das „Zeitalter der Industriekultur“ in seinen bis heute wirkenden Prägungen und Einflüssen.

Nordwolle Delmenhorst
Nordwestdeutsches Museum für IndustrieKultur

Am Turbinenhaus 10-12
27749 Delmenhorst
Tel. 04221 / 29858-20