Das lebendige Erbe eines absolutistischen Landesvaters

Als gewitzter "Friedensfürst" und "Pferdegraf" - so lebt der hoch geschätzte Landesherr bis in unsere Zeit im Bewusstsein der Oldenburger weiter. Sein bekanntestes Abbild ist in Oldenburg an vielen Orten gegenwärtig: Hoch zu Roß auf seinem Lieblingsschimmel, dem "Kranich" sitzend, im Hintergrund die aufblühende Residenzstadt Oldenburg.

 
Alexander Sanders: Brustbild mit Kommandostab, 1662 (SCHG)

Der ruhige Fels in der Brandung

Graf Anton Günther von Oldenburg (1583-1667) regierte die nordwestliche Grafschaft über einen erstaunlich langen Zeitraum von über 60 Jahren - und das sehr erfolgreich.
Durch eine geschickte Neutralitätspolitik konnte er sein Land weitgehend aus dem 30jährigen Krieg heraushalten. Während ringsum der Krieg wütete, blühte in Oldenburg die Wirtschaft auf.

 

Das Land Oldenburg wächst und wächst ...

Die Familie der Oldenburger Grafen regierte bereits seit vielen Generationen, als Anton Günther 1603 das Erbe seines Vaters, Anton des Deichbauers, antrat. Ausgestattet mit besten Kontakten zu wichtigen europäischen Mächten, konnte der Graf seine Herrschaft über Oldenburg und das Jeverland beträchtlich ausbauen, erwarb 1623 die Herrschaft Kniephausen und erlangte 1647 die Grafenwürde über Delmenhorst.

 
Bernhard Alois Neteler: Rekonstruktion des Oldenburger Schlosses, um 1650 (LMO)

... und selbst die alte Burg wird zur Baustelle

Als erhebliche Einnahmequelle für den Hof erwies sich der Weserzoll in Elsfleth und Brake, den sich Anton Günther 1623 hartnäckig gegen den erbitterten Widerstand der Hansestadt Bremen erstritt. Nun flossen Gelder, die dringend nötig waren: bereits 1607 hatte der Graf den äußerst kostspieligen Umbau seiner mittelalterlichen Burg in Angriff genommen. 13 Jahre später erstrahlte ein erster Flügel des neuen Schlosses im Renaissance-Stil, doch scheiterten weitere Umbauten am knappen Salär.

 
Peter de Saint-Simon (zugeschrieben): Kranich, 1644 (SCHR)

Dänische Rinder auf Oldenburger Weiden

Anton Günther war nicht nur Herrscher über Staat und Kirche. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts betrieb der gräfliche Großgrundbesitzer auch florierende Geschäfte im Ochsenhandel wie in der Pferdezucht: Dänische Ochsen wurden auf seinen Ländereien fett gemästet und anschließend auf den großen Viehmärkten in Köln und Amsterdam gewinnbringend verkauft. Mit den Erlösen konnte Anton Günther sehr geschickt auf das politische Geschehen einwirken - heute jedoch wäre dies der Straftatbestand einer Bestechung.

 
Doppelportrait Graf Anton Günther und Sophia Katharina, um 1665 (PRIV)

Das Ende einer Erfolgsstory

Der wirtschaftlich und politisch umtriebige Graf blieb lange ledig. Erst mit 51 Jahren ehelichte er die 18jährige Sophia Katharina von Schleswig-Holstein-Sonderburg. Da war er bereits Vater eines 2jährigen Sohnes. Doch entstammte dieser aus einer unehelichen Liaison und konnte also nicht die Erbfolge antreten. Ohne weitere Kinder starb 1667 mit ihm die gräfliche Familie aus. Seine Ländereien wurden aufgeteilt - den größten Erbteil erhielt das dänische Königshaus. Oldenburg geriet für die folgenden 106 Jahre unter dänische Verwaltung.

Nils Hinrichsen