Das „Schwimmende Moor“ oder auch Sehestedter Moor ist das einzige Außendeichsmoor der Welt, offiziell wird es „Naturschutzgebiet Süder-Kleihörne“ genannt. Es zählt zu den schützenswerten Naturdenkmalen und gehört zum „Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer“. Es liegt im Landkreis Wesermarsch, und gehört zur Gemeinde Jade, Ortsteil Sehestedt. Die Gesamtfläche des „Schwimmendes Moores“ umfasst etwa eine Fläche von 36 Hektar, wobei das eigentliche Hochmoor etwa 10 Hektar groß ist, und die restliche Fläche von vorgelagerten Wasserflächen und Salzwiesen gebildet wird.

 
'Eine Sturmflut steht am Kliff' (3)

Entstehung der Hochmoore im Jadebusen

Durch den laufenden Anstieg des Meeresspiegels veränderte sich die Küstenlinie im Laufe der Jahrhunderte stetig. In den „Ruhephasen“ konnten ausgedehnte Moore durch Ablagerungen entstehen, die sogenannten Niedermoore, oder auch Flachmoore. Sie bilden sich im Grundwasserbereich, wenn sie nur noch vom Regenwasser gespeist werden, nennt man sie Hochmoore. Die Niedermoore verschwanden nach und nach, sie wurden bei Sturmfluten und extremen Hochwasser „ausgeräumt“. Während die Hochmoore bei Sturmfluten angehoben wurden und so, dass dahinter liegende Land schützten. Nach Behre gab es um 1200 n. Chr. ein 200 qkm großes baumfreies Hochmoorgebiet2. Allerdings verringerte sich bei jeder Sturmflut die Moorflächen, weil die Wassermassen große Flächen abbrachen.

 
'Siegel der Landesgemeinde Rüstringen von 1474 mit dem 'Rüstringer Friesen'' (4)

Dieser „natürliche“ Schutz reichte aber bei stetig steigendem Wasserspiegel nicht mehr aus, um das Land vor Sturmfluten zu bewahren. Man begann Deiche zu bauen, um den stets wiederkehrenden Sturmfluten nicht weiterhin schutzlos ausgeliefert zu sein. Der erste schriftliche Nachweis über den Deichbau im Jadebusen stammt aus der Zeit Anfang des 14. Jahrhunderts. In dem „Asegabuch“ wurde das Rüstringer Landrecht schriftlich fixiert: „Das ist auch Landrecht, dass wir Friesen eine Seeburg stiften und stärken müssen, einen goldenen Reif, der um ganz Friesland liegt; an dem soll jede Rute ebenso hoch wie die anderen sein, dort, wo die salzene See bei Tag und bei Nacht anschwillt. Dort sollen der zunächst dem Meere und der meisten landeinwärts Wohnende zur Unterhaltung des Weges verpflichtet sein [...]“3.

 
'Titelseite des ersten Lehrbuchs zum Deich- und Wasserbau von Albert Brahms aus Sande' (5)'

Admiral Christian Thomas Sehestedt

Allerdings wurde die „Deichlücke“ am Südostrand des Jadebusens erst im 18. Jahrhundert geschlossen. Einerseits vertraute man auf den Hochwasserschutz der Hochmoore, anderseits war man sich bewusst, dass es großer Anstrengung und Kosten bedurfte, auf dem Moor einen Deich zu errichten. Der dänische Admiral Christian Thomas Sehestedt, an denen heute noch der Name des Moores und der angrenzende Siedlung erinnert, wurde mit dieser Aufgabe betraut. Nach einer glänzenden Karriere in der dänischen Kriegsmarine, fiel er am Hof König Christian VI. in Ungnade und wurde als Oberlanddrost nach Oldenburg und Delmenhorst, das zu der Zeit zu Dänemark gehörte, „strafversetzt“. 1721 begannen die Arbeiten, die erst im Jahr 1725 abgeschlossen waren. Der Arbeitsaufwand war enorm, da die herangeschaffte Erde bedingt durch den moorigen Untergrund immer wieder versank und die Arbeit nur schleppend vorwärts ging. Der geplante Deich sollte eine Fußfläche von 18 Metern, die Deichkappe 6 Meter Breite betragen und 6,60 Meter hoch sein. Dabei waren fast 80 Kubikmeter Erde, die mithilfe von Schiffen und Karren zum Deich transportiert wurden, nötig um 1 Meter Deichlänge zu erreichen4.

 
'Das letzte Haus im Jadebusen nach der Orkanflut vom 12./13.März 1906' (6)'

165 Hektar Hochmoor

Von der Hochmoorfläche beließ man 165 ha außerhalb des Deiches, auf dem sich sechs Höfe mit den dazu gehörigen Äckern und Weiden befanden. Die Häuser waren in „Leichtbauweise“ aus Holz und Flechtwerk gebaut, bei Sturmfluten hoben sie sich, so dass die Bewohner ihre Nachbarn hinter dem Deich sehen konnten. Dabei wurden mitunter große Moorflächen, zum Teil mit den darauf sich befindenden Menschen und Vieh abgetrennt. 1787 erschien dazu in den Oldenburger Blättern: “...imgleichen in der Vogtei Schwey im Oldenburgschen, eine ausserhalb des Deichs belegene Mohrstelle mit Haus, Bewohner desselben, Busch von Birkenbäumen, Kohlhof und 4 bis 5 Stükken zum Teil bereits besaamten Roggenmohrs, zwei Jükken groß (=etwa ein Hektar), bei einer Wasserfluth im Jahr 1697 duch die Gewalt des Wassers losgerissen, durch den schon durchgebrochenen Deich, einige Ruthen weit, geführet und solchergestalt auf ein anderen Grundstük niedergelassen worden“5.

 
'Die Moorlilie ist ... eine typische Pflanze der atlantisch geprägten nährstoffarmen Moore Nordwestdeutschlands.''

Dabei ist das „Aufschwimmen“ des Hochmoores ein eher seltenes Phänomen, das nur bei extremen Sturmfluten im Winter bei einem Pegelstand von 1,50 Meter über dem Mittelhochwasser vorkommt. Im Laufe der Zeit verringerte sich die Hochmoorfläche, so dass es 1889 nur noch zwei Häuser gab. „Das letzte Haus 'im Jadebusen' wurde schließlich 1908 doch zerstört, jedoch nicht durch Sturmflut, sondern durch Blitzschlag“6. Von den ehemals 165 Hektar sind bis heute gerade 10 Hektar erhalten geblieben. Nicht nur Sturmfluten sind dafür verantwortlich, sondern auch das Torfstechen, bzw. die Torfnutzung und die Beweidung haben zur Schrumpfung des Moores beigetragen.

 
'Betreten verboten' (8)

Naturschutzgebiet „Schwimmendes Moor“ 

1938 wurde es als „Vogelschutzgebiet Jadebusen“ unter Naturschutz gestellt und seit 1986 gehört es zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Es bietet zahlreichen, zum Teil bedrohten Tieren und Pflanzen einen sicheren Rückzugsort, die sich an die ganz speziellen klimatischen und geologischen Gegebenheiten des Außendeichmoores angepasst haben. Seien es die unzähligen Falter- und Libellenarten, die Vögel und die Echsen, aber auch die seltenen Orchideenarten oder z.B. der Sonnentau, die diesen einzigartigen Lebensraum des Sehestedter Moores auszeichnen.

Christina Hemken

Anmerkungen

(1) "Das letzte Haus im Jadebusen nach der Orkanflut vom 12./13.März 1906. Es wurde 1908 durch Blitzschlag eingeäschert". In: Erdmann 1982, S. 38 Erdmann 1982, S. 10
(2) Vgl. Torfkliff im südlichen Teil des Außendeichsmoores, in: Behre 2012, S. 149
(3) Zitiert in: Behre 2012, S. 67
(4) Vgl. Erdmann 1982, S. 28f.
(5) Zitiert in: Behre 2012, S. 153
(6)  Vgl. Behre 2012, S. 154

Abbildungsverzeichnis

(1) "Das letzte Haus im Jadebusen nach der Orkanflut vom 12./13.März 1906. Es wurde 1908 durch Blitzschlag eingeäschert". In: Erdmann 1982, S. 38
(2) "Torfkliff im südlichen Teil des Außendeichsmoores Im Vordergrund wieder zugeschlickte Wasserflächen, die sich begrünen. Aufnahme 1976". In: Behre 2012, S. 151
(3) 'Eine Sturmflut steht am Kliff. Kurz danach schwamm das Moor auf. Aufnahme 1990'. In: Behre 2012, S. 150
(4) "Siegel der Landesgemeinde Rüstringen von 1474 mit dem 'Rüstringer Friesen'". In: Behre 2012, S. 201
(5) "Titelseite des ersten Lehrbuchs zum Deich- und Wasserbau von Albert Brahms aus Sande. In: Behre 2012, S. 76
(6) "Das letzte Haus im Jadebusen nach der Orkanflut vom 12./13.März 1906. Es wurde 1908 durch Blitzschlag eingeäschert". In: Erdmann 1982, S. 38
(7) "Die Moorlilie ist ... eine typische Pflanze der atlantisch geprägten nährstoffarmen Moore Nordwestdeutschlands. Sie gehört zu den Liliengewächsen und ist im Juni und Juli noch an zahlreichen stellen des 'Schwimmenden Moores' blühend anzutreffen. In: Erdmann 1982, S. 67
(8) "Betreten verboten". In: Erdmann 1982, S. 11  

Literatur

Karl-Ernst Behre: Die Geschichte der Landschaft um den Jadebusen. Wilhelmshaven 2012

II Oldenburgischer Deichband (Hg.): Die Geschichte des Deichbaues am Schwimmendem Moor. Rodenkirchen

Erich Erdmann: Rund um das „Schwimmende Moor“. Oldenburg 1982

Wlli Rolfes und Andreas Kathe: Hommage an das Moor. Bremen 2012