Historischer Klosterbezirk in Hude

Als sichtbares Zeugnis vergangener Jahrhunderte lassen die Reste des ehemaligen Zisterzienserklosters Hude die wechselvolle Geschichte unserer oldenburgischen Heimat nachempfinden. Umgeben von einem Landschaftspark nach englischem Vorbild aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts nimmt besonders die Ruine der ehemaligen Klosterkirche eine Sonderstellung ein. Die damalige dreischiffige, gewölbte Klosterkirche mit geradem Chorabschluss hat ein Länge von ca. 61 Metern und eine Breite von ca. 27 Metern. Das noch gut erkennbare Querschiff erreicht eine Länge von ca.31,5 Metern.

 
Die Mittelschiffswand mit ihrer reichen Wandgliederung und zahlreichen Schmuckkonsolen (FKHude)

Die noch erhaltene südliche Mittelschiffswand beeindruckt mit ihrer Wandgliederung wie Arkaden, Blendtriforien und Obergaden, Schmuckkonsolen und Kapitellen. Sie tragen in ihrem Formenreichtum dazu bei, dass die Klosterruine Hude zu den herausragenden Beispielen der niederdeutschen Backsteingotik gezählt wird. Wegen ihrer Bedeutung und wechselvollen Geschichte erhielt sie den Status eines Baudenkmals von nationalem Rang. Mit dem bis heute erhaltenen ehemaligen Abtshaus (seit über 300 Jahren der Wohnsitz der Familie von Witzleben), der ehemaligen Torkapelle des Klosters (seit 1550 Pfarrkirche der Gemeinde Hude, St. Elisabeth), dem Brauhaus (heute Klosterschänke) und der Wassermühle sind wertvolle Gebäude des ehemaligen Klosters erhalten geblieben. Sie schlagen eine Brücke zwischen dem Mittelalter und der Gegenwart und geben uns einen Einblick in das geistige und weltliche Leben dieser Zeit.

 
Schmuckkonsole am Chorpfeiler - im Volksmund Teufelskopf - genannt (FKHude)

Die Gründungsphase

Die Anfänge des Klosters liegen in Bergedorf, etwa zehn Kilometer südlich von Hude. Die Grafen von Oldenburg errichteten hier, nach dem Mord an dem Oldenburger Grafen Christian, dem Kreuzfahrer, im Jahre 1192, eine Sühnekapelle. Hieraus entstand bald ein kleines Kloster. Zuerst kamen Nonnen aus Bremen, bald darauf, im Jahre 1201, übernahmen Zisterziensermönche aus Marienthal, bei Helmstedt, das Kloster. Sie erkannten bald, dass dieser Standort keine günstigen Voraussetzungen für den Ausbau eines großen Klosters bot. Sie baten deshalb nach kurzer Zeit den Grafen von Oldenburg um die Genehmigung zur Verlegung des Klosters an den Geestrand, am Ufer der Berne, dem heutigen Standort. Dieses Gewässer führte ausreichend Wasser für den umfangreichen Bedarf eines Klosters. Vor allen Dingen stand hier Ton zur Verfügung, der für die Herstellung von Backsteinen, Dachpfannen usw. unbedingt standortnah gebraucht wurde. Der Umzug von Bergedorf nach Hude erfolgte nach bisherigen Erkenntnissen im Jahre 1232.

 
St. Elisabeth-Kirche nach der Restaurierung (FKHude)

Zur gleichen Zeit hatten sich die Auseinandersetzungen der dem Kloster benachbarten Stedinger Bauern und dem Erzbistum Bremen zugespitzt und zu kriegerischen Auseinandersetzungen geführt (1204 – 1234 ). Als Erzbischof Gerhard II mit päpstlicher Zustimmung zum Kreuzzug gegen die Stedinger Bauern aufrief, beteiligten sich auf Bremer Seite neben vielen Söldnern, Rittern und dem Herzog von Brabant auch die Oldenburger Grafen. Im Jahre 1234 unterlagen die Stedinger Bauern in der Schlacht von Altenesch den Kreuzfahrern. Nach dieser Schlacht erhielt der junge Konvent zahlreiche Schenkungen aus der Beute. Jetzt begann der zügige Ausbau des Klosters nach den Vorgaben des Idealplanes der Zisterzienser. Die Errichtung der Gesamtanlage zog sich etwa bis zum Jahre 1330 hin.

 
Verschiedene Bogendurchblicke vermitteln den Eindruck ehemaliger Größe (FKHude)

Die Blütezeit des Klosters

Gemäß der Ordensregel “Ora et labora“ (bete und arbeite) bewirtschafteten die Mönche ihre Höfe mit Hilfe von Laienbrüdern, bildeten sogenannte Außenhöfe (Grangien). Sie verkauften die Überschüsse der landwirtschaftlichen Erträge und die Produkte aus ihren eigenen Werkstätten in ihren Stadthöfen, die sich in Bremen, Oldenburg, Wildeshausen und Delmenhorst befanden. Der Schwerpunkt ihres Grundbesitzes konzentrierte sich auf das Umfeld von Hude und die Wesermarsch. Die Einnahmen aus Handel, Abgaben der zahlreichen Pächter, Renten und Erbschaften brachten das Kloster zu Ansehen und Reichtum.

 
Kleine, abgelaufene Bodenfliese mit Lilienmotiv (FKHude)

In den dreihundert Jahren, die das Kloster existierte, veränderten sich natürlich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten. Bereits vor der Reformation zeigten sich auch in Hude Auflösungserscheinungen innerhalb der Mönchsgemeinschaft.

 

 

 
Vom Chorteil der Klosterkirche ist nur noch dieser Fensterpfeiler erhalten (FKHude)

Der Niedergang des Klosters

Vor allem politische Auseinandersetzungen zwischen der Grafschaft Oldenburg und dem Bistum Münster führten zur Zerstörung des Klosters Hude. Mit der Eroberung der Burg Delmenhorst im Jahre 1482 durch Bischof Heinrich von Münster wurde auch das Schicksal Hudes besiegelt, da es zum Amt Delmenhorst gehörte. Bischof Heinrichs Nachfolger, Franz von Waldeck, ließ das Kloster 1536 besetzen und gab es zum Abbruch frei, damit es nicht in die Hände der Oldenburger Grafen falle. Der letzte Abt und die letzten fünf Mönche wurden mit Rentenverträgen bedacht.

 
Eine der wenigen noch erhaltenen Kopfkonsolen an der Mittelschiffswand (FKHude)

Dem Grafen Anton I. gelang es im Jahre 1547 Delmenhorst wieder in sein Territorium einzugliedern. In der Folgezeit wurde das ehemalige Abtshaus zunächst ein Jagdhaus der Oldenburger Grafen. Nach dem Tode Graf Anton Günthers im Jahre 1667, der ohne leibliche Erben starb, gelangte die Grafschaft Oldenburg und Delmenhorst auf Grund von Erbansprüchen an das dänische Königshaus, wo es bis 1773 verblieb.

 

 
Blick vom Landschaftspark auf die Orangerie des Gutshauses (FKHude)

Für die Verwaltung der Grafschaft Delmenhorst wurde vom dänischen König Christian V. der Landdrost Kurt Veith von Witzleben berufen. Anläßlich eines Besuches in Hude kaufte Herr von Witzleben das Huder Vorwerk, die restlichen Gebäude des ehemaligen Klosters, mit Ausnahme der Torkapelle sowie die Mühle und viele Ländereien. Seit 1687 gehören also die Reste des ehemaligen Klosters der Familie von Witzleben. Das Abtshaus wurde im Laufe der Zeit den jeweiligen Wohnansprüchen der Familie angepasst. Ein Gutsgarten im Stile eines Landschaftsparks umrahmt die historischen Gebäude mit alten Linden, einer Eichenallee sowie einigen Teichen mit Sichtachsen zum Haus und in die angrenzende Landschaft mit Wiesen und Weiden.

 
Blick auf das Querschiff und die Mittelschiffswand (FKHude)

Kurz vor den letzten größeren Sanierungsarbeiten an der Ruine (von 1980 – 1994) hat sich ein Freundeskreis gebildet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, interessierte Besucher durch den Klosterbezirk zu führen und sie mit der Bau- und Kulturgeschichte dieser schönen Anlage vertraut zu machen. Dazu wurde u.a. ein kleines Museum neben der Ruine eingerichtet. Die Freunde des Klosters Hude e.V. betreuen diese Sammlung, die u.a. Modelle zur Baugeschichte, archäologischen Funde, Nachbildungen von Schmuckkonsolen, Karten und Texte zur Geschichte der Zisterzienser und vieles mehr enthält.

Die Öffnungszeiten sind von Mai bis Oktober an Sonnabenden, sowie Sonntagen und Freiertagen von 15.00 – 17.00 Uhr.

Führungen nach telefonischer Anmeldung werden ganzjährig angeboten. Tel. 04408 / 6829 oder 04408 / 60926

Die Freunde des Klosters Hude e.V.
Elge Gerdes - Röben

 
In der Romantik diente die Ruine als Staffage im Landschaftspark (FKHude)

Weiterführende Literatur

Muhle, D. K.: Das Kloster Hude im Herzogthum Oldenburg. Oldenburg 1826
Sello, G.: Das Cisterzienserkloster Hude bei Oldenburg. Oldenburg 1895
Tenge, O.: Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogthums Oldenburg / IV. Heft; Die Ämter Oldenburg, Delmenhorst, Elsfleth und Westerstede. Oldenburg 1907
Schneider, A.: Die Cisterzienser - Geschichte - Geist - Kunst. Köln 1974
Elm, K. / Joerißen, P./ Roth, H.J.: Die Zisterzienser - Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit, Ausstellungskatalog. Bonn 1980
Carstens, A.: Die Kirchenruine des Zisterzienserklosters in Hude / Oldenburg Magisterarbeit Universität Bonn. Bonn 1988
Ahlers, G.: Neues zur Gründungsgeschichte des Klosters Hude Oldenburger Jahrbuch, 90. Band für 1990. Oldenburg 1990
Zoller, D.: Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland Heft 3 / 1980, Heft 5 / 1982, Heft 12 / 1989, Heft 15 / 1992
Landgraf, E.: Ornamentierte Bodenfliesen des Mittelalters in Süd- u. Westdeutschland 1150 - 1550. Forschungen u. Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Würtemberg Band 14/1- 14/3. Stuttgart 1993
Schmidt, H.: Germania Benedictina / Band XII. Norddeutschland, Hude Seite 192 - 212. München 1994
Segers-Glocke, Chr.: Das ehemalige Zisterzienserkloster Hude. Führer zu archäologischen Denkmälern Band 31. Stuttgart 1995
Falter, W.: Dictionaire de histoire et de géographie ecclésiastiques / Hude, abbaye cistercienne en Basse-Saxe entre Oldenburg et Delmenhorst Das ehemalige Kloster Hude, S.47-50. Paris 1995
Pfister, P.: Klosterführer aller Zisterzienserklöster im deutschsprachigen Raum. Straßburg 1997
Stöver, K. / Gerdes-Röben, E.: Kloster Hude / Der historische Ort. Berlin 1997
Eimer, G.: Zur Problematik der Formsetzung Haustein Backstein im Hochmittelalter / Manuskript o. J.
Brüggler, M.: Die archäologischen Untersuchungen des Klosters Hude. Magisterarbeit Universität Bonn. Bonn 2000