Die Lambertikirche ist die Stadtkrone Oldenburgs. Jedem Besucher der Stadt fällt sie mit ihren fünf imposanten Türmen auf. Sie ist das höchste Gebäude Oldenburgs und dominiert das Stadtbild bis heute. Wer sich der Kirche nähert, bemerkt bald, dass es sich um einen eigentümlichen und vielschichtigen Bau handelt.

 

 

 
Abendmahlkelch, 1265 (Dr. Ralph Hennings)

Die neugotische Fassade gibt bewusst den Blick auf mittelalterliches Bruchsteinmauerwerk frei. Die Kirche ist augenscheinlich älter als ihre äußere Hülle. Urkundlich erwähnt wird 1237 ein Stadtpfarrer an St. Lamberti. Zu der Zeit muss die Kirche bereits erbaut gewesen sein. Wir wissen nicht, wie dieser erste romanische Bau ausgesehen hat. Aus dieser Zeit ist aber ein Kelch aus der Zeit um 1265 erhalten, der bis heute für die Feier des Hl. Abendmahls verwendet wird.

 

 

 
Außenfassade der Lambertikirche( Dr. Ralph Hennings)

Beim Betrachten der Fassade fällt auf, wie detailverliebt in der Zeit der Neugotik gearbeitet worden ist: Türme, Türmchen und Wasserspeier, sorgfältiges Mauerwerk aus Formsteinen, verschiedene Farbtöne im Klinker – all das sorgt für eine aufgelockerte Fassade, die dennoch mächtig und burgartig mitten in der Stadt liegt.

 

 

 
Die Rotunde in der Lambertikriche (Dr. Ralph Hennings)

Die eigentliche Überraschung erleben die Besucher, wenn sie das Innere der Kirche betreten. Es erwartet sie ein Rundbau im reinen klassizistischen Stil. Die Rotunde im Inneren ist beinahe hundert Jahre älter als die äußere Fassade. Das direkte Zusammentreffen dieser beiden Stilepochen bietet einen maximalen Kontrast zwischen Außen und Innen.

 

 

 

 
Blick in den klassizistischen Innenraum (Dr. Ralph Hennings)

Majestätisch wölbt sich die stuckverzierte Kuppel über dem Innenraum. Zwölf Säulen tragen die Kuppel und leiten zugleich optisch das Licht weiter, das durch die große Öffnung hineinflutet. Den klassizistischen Innenraum verdanken die Oldenburger ihrem Herzog Peter Friedrich Ludwig(1755-1829), der von 1791-1795 den Umbau der alten gotischen Kirche zu einem klassizistischen „Tempel“ geleitet hat

 

 
Detail der Innenausstattung (Dr. Ralph Hennings)

Für das klassizistische Kirchengebäude wurden alle Gewölbe der mittelalterlichen Kirche zerschlagen, der Chorraum abgerissen und damit der Altarraum und die prominentesten Grablegen der Kirche zerstört. Es entstand eine Kirche, die in der Kubatur einem antiken Tempel samt Vorhalle ähnelte. Im Inneren entstand aus den geometrischen Urformen Quadrat und Kreis die bis heute erhaltene Rotunde.

 

 

 
Einer der beiden Leuchter (Dr. Ralph Hennings)

In der Renovierung von 2007-2009 erhielt der Innenraum seine klassizistische Farbgebung zurück, die im Wesentlichen ein Spiel aus Licht und Schatten mit wenigen farbigen Akzenten ist. Farblich betont sind nur die Säulen und die Kuppel, alles andere ist weiß oder zart graublau gehalten. So auch Altar, Kanzel, Taufstein und Herzogsloge. Rechts und links flankieren zwei große Leuchter den Altar, sie sind ebenso wie das klassizistische Abendmahlsgerät ein Geschenk des Herzogs Peter Friedrich Ludwig an seine Kirche.

 

 
Die Orgel in der St.-Lamberti-Kirche (Dr. Ralph Hennings)

Seit 1972 hat die St. Lamberti-Kirche die größte Orgel des Oldenburger Landes. Der Einbau dieses Instruments wurde durch die zwischen 1968 und 1970 vollzogene Drehung des Kirchengebäudes im Inneren ermöglicht. Durch die Drehung wurde aber damals die Vorhalle von der Kirche abgeschnitten und zur „Lambertikapelle“ umgebaut. In der jüngsten Renovierung wurde die Vorhalle mit ihren Denkmälern für die Oldenburger Grafen und Herzöge wieder hergestellt und damit auch der Sarkophag des, im Oldenburger Land bis heute beliebten, Grafen Anton Günther (1583-1667) wieder zugänglich gemacht. Heute befinden sich in der Lambertikirche das evangelische Informationszentrum „Markt 17“ und mehrere Gemeinderäume, die im Zuge des letzten Umbaus entstanden sind.

Pfarrer Dr. Ralph Hennings

Ausführliche Informationen erhalten Sie unter:
http://www.st-lamberti-oldenburg.de/